Lokführer-Streik Weselsky: Bahn hat Streik provoziert

GDL-Chef Claus Weselsky hat der Deutschen Bahn vorgeworfen, den heute Abend beginnenden, zweitägigen Streik der Lokführer provoziert zu haben. Die Deutsche Bahn kritisierte den Streik dagegen als "unnötige Eskalation". Nach Ansicht des Fahrgastverbands Pro Bahn wurde der Ausstand zu kurzfristig angekündigt.

Claus Weselsky, Vorsitzender der Lokführergewerkschaft GDL, kommt im dbb Forum zu einer Pressekonferenz zu den Arbeitskampfmaߟnahmen bei der Deutschen Bahn.
GDL-Chef Claus Weselsky wirft den Bahn-Führungskräften vor, sich "in die eigenen Taschen zu schaufeln". Bildrechte: dpa

GDL-Chef Claus Weselsky hat dem Bahn-Management vorgeworfen, den Streik der Lokführer provoziert zu haben. Weselsky sagte MDR AKTUELL, seit Monaten versuche die Gewerkschaft, ein Verhandlungsergebnis zu erzielen. Außer, dass die Manager tricksten und täuschten und "sich die eigenen Taschen füllten", sei aber nichts passiert.

Weselsky kritisierte insbesondere, dass das Management sich selbst trotz schlechter Kassenlage Boni zahle. In diesem Jahr habe man sich 51 Prozent der variablen Gehaltsbestandteile genehmigt, im vergangenen Jahr seien es sogar über 90 Prozent gewesen. Gleichzeitig kürze man den Eisenbahnern die kleine Betriebsrente weg. Das sei etwas Unanständiges. Während das Management Altersversorgungssysteme mit bis zu 20.000 Euro monatlich habe, wolle man dem Lokführer die 150 Euro Betriebsrente auf 100 Euro kürzen. "Wir werden nicht zulassen, dass die kleinen Leute auf Einkommensverzicht getrimmt werden."

Mehrheit der Lokführer stimmte für Streik

Kurz zuvor hatte die GDL das Ergebnis einer Urabstimmung veröffentlicht. Demnach stimmten 95 Prozent der teilnehmenden Mitglieder für den Arbeitskampf. Die GDL will 1,4 Prozent Lohnerhöhung und eine Corona-Prämie von 600 Euro für 2021 sowie eine Erhöhung um 1,8 Prozent für das Jahr 2022 erreichen. Die Bahn hatte zuletzt eine Lohnerhöhung von 3,2 Prozent in zwei Schritten sowie weitere Leistungen etwa bei Altersvorsorge angeboten.

Streik ab Dienstagabend – nur jeder vierte Fernzug fährt

Weselsky wies Kritik am Streik-Termin zurück. Es gebe nie einen günstigen Zeitpunkt. Dass man den Streik einen Tag vorher angekündigt habe, gebe jedem die Gelegenheit, Reisepläne noch umzustellen. Zudem habe man sich für einen Arbeitskampf in der Woche entschieden, da am Wochenende noch Ferienverkehr zu erwarten sei. Nach GDL-Angaben wird der Güterverkehr bereits ab heute 19 Uhr bestreikt. Die Streiks im Personenverkehr sollen in der kommenden Nacht 2 Uhr beginnen. Ersatz-Fahrpläne will die Bahn so schnell es geht zur Verfügung stellen.

Bahn sieht "unnötige Eskalation"

Die Deutsche Bahn kritisierte den Streik als "unnötige Eskalation auf dem Rücken der Bahnkunden". DB-Personalvorstand Martin Seiler sagte: "Die GDL-Spitze eskaliert zur Unzeit. Gerade in einem systemrelevanten Bereich wie der Mobilität gilt es jetzt, sich an den Verhandlungstisch zu setzen und nicht unsere Kunden zu belasten."

Bei der Deutschen Bahn soll wegen des angekündigten Streiks am Mittwoch und Donnerstag nur rund jeder vierte Fernzug fahren. Wie das Unternehmen mitteilte, wird das Angebot im Regionalverkehr ebenfalls eingeschränkt. Nach Ansicht des Fahrgastverbands Pro Bahn wurde der Streik zu kurzfristig angekündigt. Viele Kunden könnten nicht mehr ausweichen.

Quelle: MDR Aktuell, dpa, AFP, Reuters

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. August 2021 | 15:00 Uhr

53 Kommentare

MikeS vor 23 Wochen

Was soll ich sagen ... Augen auf bei der Berufswahl. Aber Sie haben zumindest bewiesen, dass Sie keine Ahnung haben von der Arbeit der von Ihnen kritisierten Schlipsträger. Sie regen sich über deren Einkommen auf und haben nicht ansatzweise Ahnung wie der große Laden läuft! Weselsky-Mainstream halt ... Und was Schichtarbeit angeht, da kann ich Ihnen bestimmt das Wasser reichen, aber ganz bestimmt!!!

der Harzgeist vor 23 Wochen

@MikeS: Ich habe selbst lange Jahre als Lokführer gearbeitet und kenne die Arbeitsbedingungen im Gegensatz zu Ihnen bestens. Sie offensichtlich nicht! In Aschersleben gibt es einen Ausbildungsbetrieb, da können Sie sich zum Lokführer ausbilden lassen, Sie bekommen bei jedem EVU eine Anstellung. Dann müssen Sie aber auf Wochenendbespaßung verzichten, müssen Nachts arbeiten, haben fast jeden Tag andere Schichtzeiten. Schichtbeginn auch gern zwischen 0:00 und 4:00. Mal sehen, wann Sie die ersten Schlafstörungen haben, Herr Oberschlau.

MikeS vor 23 Wochen

Wenn ich das aber richtig sehe, rennt der private Schienenverkehr gerade nicht dem Weselsky hinterher... Welche Ahnung haben Sie egtl. von der Arbeit der Schlipsträger, mal von ihrem unintelligenten Palaver abgesehen.

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