Bahnverkehr Lokführer streiken wieder

Reisende und Pendler müssen ab Montag wieder mit Zugausfällen und Verspätungen im Bahnverkehr rechnen. Die Lokführergewerkschaft GDL kündigte neue Streiks an. Bereits ab Samstag ist der Güterverkehr betroffen.

Ein Reisender sitzt mit seinem Gepäck am frühen Morgen eben einem ICE
Neue Streiks im Personenverkehr ab Montag: Die GDL macht Druck auf die Bahn. Bildrechte: dpa

Im Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn hat die Lokführergewerkschaft GDL einen weiteren Arbeitskampf angekündigt. Es werde ab Samstag um 17 Uhr bis Mittwochmorgen um 2 Uhr gestreikt, kündigte GDL-Chef Claus Weselsky am Freitag an. Beginnen werde der Ausstand im Güterverkehr, ab Montagmorgen um 2 Uhr werde auch der Personenverkehr bestreikt.

"Wir haben erneut Rücksicht auf das vor uns liegende Reisewochenende genommen", sagte Weselsky. "Das werden wir in Zukunft nicht mehr gewährleisten können." Die Mitglieder streikten für mehr Löhne und für den Schutz ihrer Rente. Die Wut unter den Mitgliedern auf das Management sei groß. Nur ein verbessertes Tarifangebot der Bahn könne den Streik noch abwenden, machte Weselsky deutlich. Andernfalls drohten weitere Arbeitskampfmaßnahmen.

Bahn: Viertel des Fernverkehrs fährt

Die Bahn erklärte nach der Streikankündigung, ab Montag werde man nur ein Grundangebot von rund 25 Prozent des normalen Fahrplans anbieten. Im Regional- und S-Bahnverkehr peile das Unternehmen 40 Prozent an. Die Anzahl der angebotenen Züge werde jedoch je nach Region stark schwanken. So schätzt die Bahn nach eigenen Angaben, dass Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen besonders betroffen sein werden. In der Region sei die Streikbereitschaft groß.

Das Unternehmen rief die Lokführer-Gewerkschaft am Donnerstagnachmittag zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf und bezeichnete mögliche Streiks als "überflüssig" und "unnötig". "Wir brauchen einen Verhandlungspartner, dem es nicht nur um Streiks geht, sondern dem es auch um Lösungen am Tisch geht", hieß es seitens des Konzerns.

Zweiter GDL-Streik innerhalb von zwei Wochen

Zuletzt hatte die GDL in der vergangenen Woche zwei Tage lang große Teile des Bahnverkehrs lahmgelegt. Danach hatte GDL-Chef Weselsky mit einem weiteren Streik gedroht, sollte die Bahn im Tarifstreit kein besseres Angebot vorlegen. Der Arbeitgeber stelle sich weiterhin taub, kritisierte die GDL.

Regionalzug der Deutschen Bahn 1 min
Bildrechte: imago/Rüdiger Wölk

Bahn: GDL nicht zuständig

Aus Sicht der Bahn aber bringt die Gewerkschaft Forderungen in die Tarifrunde mit ein, die dort nichts zu suchen hätten. Dazu gehöre etwa die Absicht, auch für weitere Berufsgruppen abseits von Lokführern und Zugbegleitern verhandeln zu wollen. Die GDL hatte angekündigt, in der laufenden Runde auch die Fahrzeuginstandhaltung, den Netzbetrieb und die Fahrweginstandhaltung sowie die Rahmenbedingungen für die Auszubildenden tarifieren zu wollen.

Für die Bahn ist damit klar, dass es der Gewerkschaft vor allem um das Tarifeinheitsgesetz geht. Das Gesetz sieht vor, dass in einem Betrieb mit zwei konkurrierenden Gewerkschaften nur die Tarifverträge der mitgliederstärkeren Arbeitnehmervertretung zur Anwendung kommen. Bei den Betrieben der Deutschen Bahn ist das in der Regel die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).

Rückschlag für GDL

Die GDL fürchtet deshalb um ihren Einfluss und geht derzeit gerichtlich in mehreren Verfahren dagegen vor, dass die eigenen Tarifverträge in den Betrieben der Bahn keine Anwendung finden könnten. Am Donnerstag unterlag die Gewerkschaft damit allerdings auch vor dem Berliner Landesarbeitsgericht, das einen entsprechenden Eilantrag der Gewerkschaft zurückwies.

Im Tarifstreit mit der Bahn hatte die GDL bislang zwei Angebote abgelehnt. Sie fordert unter anderem für die Beschäftigten 1,4 Prozent mehr Geld in diesem Jahr und 1,8 Prozent mehr im kommenden – in Summe 3,2 Prozent. Das entspricht dem Abschluss im Öffentlichen Dienst. Der erste Streik war für die Fahrgäste 15 Stunden vor Beginn angekündigt worden. Weselsky hatte am Dienstag in Aussicht gestellt, für den Fall eines weiteren Streiks früher als beim ersten Mal über den Streikbeginn zu informieren.

Quelle: MDR/dpa/Reuters

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 20. August 2021 | 06:00 Uhr

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