Do 16.01. 2020 22:05Uhr 29:30 min

Aus der Dokumentation «Der marktgerechte Mensch»
Aus der Dokumentation «Der marktgerechte Mensch» Bildrechte: Salzgeber & Co. Medien
MDR FERNSEHEN Do, 16.01.2020 22:05 22:35

artour

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Das Kulturmagazin des MDR

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Die Themen:

* Der marktgerechte Mensch
* Biografie über Ludwig van Beethoven: "Akkord der Welt" von Matthias Henke
* Der Kunstraub von Gotha 1979 – Aufklärung nach 40 Jahren?
* Kulturkalender

Die Themen:

* Der marktgerechte Mensch
Noch vor 20 Jahren hatten zwei Drittel aller Deutschen einen sozialversicherungspflichtigen Vollzeitjob. Heute sind es nur noch 38 Prozent, der überwiegende Teil der Bevölkerung arbeitet in prekären Arbeitsverhältnissen. Spätestens seit der Finanzkrise 2008 sind neue Arbeitswelten entstanden, in denen immer mehr Menschen landen, die wenigsten freiwillig. Die Schlagwörter lauten: Outsourcing, Crowdworker, Gig-Economy. Sie versprechen Unabhängigkeit, individuelles Arbeiten, frei bestimmbare Zeitfenster. Sie bedeuten: keine festen Verträge, keine geregelte Arbeitszeit, keine Kranken- und Rentenversicherung, Arbeit auf Zuruf, Löhne weit unter dem Existenzminimum. Das Ergebnis sind zerrüttete soziale Strukturen, Armut, Vereinsamung, Depressionen, Burn-out. Mediziner führen die Zunahme psychischer Erkrankungen auf die Veränderungen in der Arbeitswelt zurück. Betroffen ist vor allem der Dienstleistungssektor: Kurierdienste, Verkaufspersonal, Textilarbeiterinnen, IT-Kräfte, Journalisten. Fast der gesamte akademische Mittelbau in Deutschland - Dozenten, Tutoren, Seminarbetreuer, Lehrkräfte - steht ohne Absicherung da und ist auf Hartz-IV angewiesen. Sie alle kommen in dem Dokumentarfeature "Der marktgerechte Mensch" zu Wort. Die Regisseure Leslie Franke und Herdolor Lorenz schildern in "artour" die Risiken und Nebenwirkungen des neuesten Kapitalismus und sagen, welche Perspektiven es gibt.
Autor: Rayk Wieland

* Biografie über Ludwig van Beethoven: "Akkord der Welt" von Matthias Henke
Der meistgespielte Komponist der Welt lebte bescheiden: er kleidete sich nachlässig, seine Haare waren verfilzt, der Nachttopf unter dem Bett war oft nachmittags noch nicht geleert, in seine Wiener Wohnung regnete es hinein. Berühmt ist sein grimmiger Blick, und wütend teilte er aus, vor allem gegen den Adel. Seinem Gönner Karl von Lichnowsky rief er zu: "Fürst, was Sie sind, sind Sie durch Zufall. was ich bin, bin ich durch mich!" Der Künstler, der schon mit 28 Jahren einen schleichenden Hörverlust erlebte und am Ende seines Lebens taub war, wollte für die Nachwelt schreiben, und es ist ihm mehr als gelungen. Selbstbewusst bricht er mit den Regeln des zeitgenössischen Komponierens, herausragend seine Sinfonien, Klavierkonzerte, Sonaten und "Fidelio", seine einzige Oper. In diesem Jahr feiert die Welt Ludwig van Beethovens 250. Geburtstag. Zu diesem Anlass erscheint die Beethoven-Biografie „Akkord der Welt" von Matthias Henke. "artour" hat mit den Autor gesprochen und macht sich auf die Spur des großen Nonkonformisten.
Autor: Reinhold Jaretzky

* Der Kunstraub von Gotha 1979 – Aufklärung nach 40 Jahren?
Am 17. Januar werden auf einer Pressekonferenz in Berlin die vor über 40 Jahren gestohlenen 5 Gemälde aus dem Schloss Friedenstein in Gotha erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Nach der Übergabe der Gemälde 2019 wurden diese im Rathgen-Institut in Berlin auf ihre Echtheit geprüft - sie sind echt. "artour" berichtet am Vorabend dieser Pressekonferenz über die Hintergründe dieser spektakulären Rückgabe der Bilder. Das TV-Magazin von mdr Kultur trifft die Rechtsanwältin Friederike von Brühl, die die Stadt Gotha in diesem Kunstkrimi vertritt. "artour" interviewt außerdem den Oberbürgermeister von Gotha, Knut Kreuch und den Generalsekretär der Siemens-Stiftung, Martin Hoernes, die in diese Rückgabe-Aktion eingeschaltet war. Es geht um die Frage, ob es sich bei dem Einbruch damals möglicherweise um einen von der Stasi fingierten Einbruch handelte, was die heutigen Einreicher der Bilder, deren Anwalt sie der Stadt Gotha anbot, von dem Diebstahl wussten bzw. gewusst haben müssen und welche Zusicherungen der Bürgermeister von Gotha den Anbietern dieser Bilder bei seinen Verhandlungen seit 2018 gemacht hat und ob er dies hätte tun dürfen? Schließlich steht die Frage im Raum, ob Geld geflossen ist und wenn ja, wie viel? Ein Kunstkrimi, der bis heute nicht wirklich aufgeklärt ist. Schließlich trifft "artour" die Autorin des Buches "Nacht über Gotha", Birgit Seeber, die die Ereignisse in einem Kriminalroman verarbeitet hat.
Autor: Tilman Jens/Mitarbeit: Sandra Voigtmann

* Kulturkalender
- Festival "Karussell - Zeitgenössische Positionen russischer Kunst" vom 10.-25.1.im Festspielhaus Hellerau in Dresden
- "unseen/ungesehen - Blicke auf Europa", 4 Fotografen reisten abseits der Metropolen durch Europa und zeigen die Lebenswelten der Menschen außerhalb der urbanen Zentren", Ausstellung in der Kunststiftung Sachsen-Anhalt 18.1. - 23.2.
- Holländisches Elektrofolk-Duo "Wolf & Moon" auf Tour am 24.1. in Magdeburg und am 31.1. in Suhl
Autorin: Ulrike Reiß

"artour" ist das Kulturmagazin für das MDR-Sendegebiet und für Ostdeutschland. "artour" wird in Rostock wie in Weimar geschaut, aber natürlich auch in Hamburg und München. Das Kulturmagazin mit Ostkompetenz greift Themen auf, die die Zuschauer bewegen. Von Thälmann bis Theater, von der Kittelschürze bis zum Konzert, von der Off-Bühne bis zur Oper. Themen werden auch mal gegen den Strich gebürstet, egal, ob es sich um eine Kunstausstellung oder einen kulturpolitischen Skandal handelt.

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