Nur für eine Woche Gestohlene Bilder im Herzoglichen Museum in Gotha

Eine Woche lang werden ab Montag fünf Bilder Alter Meister im Herzoglichen Museum in Gotha zu sehen sein. Die Gemälde wurden 1979 aus Schloss Friedenstein gestohlen und nach Verhandlungen ohne Geldzahlungen zurückgeholt.

Blick in den Ausstellungsraum des Herzoglichen Museums
Die fünf gestohlenen Gemälde zieren jetzt für eine Woche die Wände des Herzoglichen Museums in Gotha. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

40 Jahre nach ihrem Diebstahl werden ab Montag fünf Bilder Alter Meister wieder an ihrem ursprünglichen Ausstellungsort, im Herzoglichen Museum in Gotha, präsentiert. Am Montagnachmittag ab 14 Uhr werden die Gemälde aus dem 16. und 17. Jahrhundert in einem Saal im Obergeschoss zu sehen sein. "Sie sind zurück an ihrem eigentlichen Heimatort", sagt Marco Karthe von der Stiftung Schloss Friedenstein.

Ramelow: "Riesenschöner Tag"

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) sprach am Montag von einem "riesenschönen" Tag für Thüringen. "Wir können uns glücklich schätzen, dass der spannendste Krimi in der Geschichte DDR, der Kunstraub von Gotha, ein Ende gefunden hat, [...] dass zumindestens die Beute da ist, wo sie hingehört, nämlich an die Wände von Gotha." Er habe Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) in der jüngsten Vergangenheit "lieben gelernt" und wisse seinen unbeirrten Einsatz für die gestohlenen Bilder zu schätzen.

Kreuch hatte in den zurückliegenden Monaten die Verhandlungen über die Rückgabe der 1979 gestohlenen Bilder maßgeblich mit geführt - neben Martin Hoernes von der Ernst von Siemens Kunststiftung und Rechtsanwältin Friederike Gräfin von Brühl von der Kanzlei K&L Gates. Von Brühl verwies noch einmal auf die besondere juristische Lage. Ein Rückgabe-Anspruch der Stiftung sei nach dem Diebstahl vor 40 Jahre wegen Verjährungsfragen gar nicht so eindeutig gewesen. Der einzige Weg sei es gewesen, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen und auf freiwillige Übergabe zu hoffen.

Appell an Erben

Eine Frau betrachtet das Bild "Die Landstraße mit Bauernwagen und Kühen".
Eine Frau betrachtet das Bild "Die Landstraße mit Bauernwagen und Kühen". Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Bei der Pressekonferenz am Montag appellierte die Thüringer Kultur-Staatssekretärin Babette Winter an Erben, sich bei Zweifeln über den legitimen Besitz von Kunstnachlässen zu melden. Für eine straffreie Rückgabe gebe es immer Wege. Das Herzogliche Museum in Gotha hat nach eigenen Angaben über 400 Gemälde durch Verkäufe und in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg verloren.

Sonderöffnungszeiten für Besucheransturm

Noch am Freitag waren die Gemälde von Berlin nach Gotha gebracht worden. In Berlin waren sie auf ihre Echtheit geprüft worden. Am Montag wird das Museum extra länger geöffnet bleiben. Bis 20 Uhr gibt es dann Gelegenheit, die Bilder zu betrachten, die vor 40 Jahren aus dem benachbarten Schloss gestohlen worden waren.

Bis einschließlich Sonntag ist vorgesehen, das Museum zu den üblichen Zeiten von 10 bis 16 Uhr offen zu halten. Falls es einen Besucheransturm geben sollte, schliesst die Stiftung auch nicht aus, die Öffnungszeiten anzupassen. Allerdings steht schon jetzt fest, dass die Gemälde nur bis Sonntag, 26. Januar, zugänglich sind.

Sonderausstellung ab Mai 2021

Dann werden sie wieder abgehängt und wechseln in die Werkstätten der Restauratoren - in Gotha und anderswo, denn nicht alle Bilder können in Gotha selbst aufgearbeitet werden, heißt es. Das ehrgeizige Ziel des Museums ist es, die fünf restaurierten Bilder in einer für Mai, Juni 2021 angekündigte Sonderausstellung zeigen zu können.

Ein Mann schaut sich das Bild "Brustbild eines unbekannten Herrn mit Hut und Handschuhen" an.
Das "Brustbild eines unbekannten Herrn mit Hut und Handschuhen" in Farbe. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

Nach Angaben der Stiftung Schloss Friedenstein stehen die Kosten für die Restaurierung der fünf "Rückkehrer" noch nicht fest. Dafür sei es noch zu früh, sagte Stiftungsdirektor Tobias Pfeifer-Helke. Bisher habe die Zeit gefehlt, den tatsächlichn Zustand der Bilder extakt zu beurteilen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | Thüringen Journal | 20. Januar 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Januar 2020, 20:53 Uhr

1 Kommentar

Selei vor 5 Wochen

Woran keiner mehr geglaubt hatte, die Bilder sind wieder in Gotha! Aber die gut ausgebildeten, hauseigenen Restauratoren sind nicht in der Lage die Aufarbeitung alleine auszuführen.Zeitmangel sollte in diesem Geschäft keine Begründung sein. Woran liegt es dann ?

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