Oberhof Thüringer Rodler-Nachwuchs trainert im Weltcup-Eiskanal

Die Rodelweltelite ist am Wochenende in Oberhof zu Gast. Wenn beim Weltcup die Besten an den Start gehen, schauen die Kinder vom Rodelclub Zella-Mehlis ganz genau hin.

von Bettina Ehrlich

Über ein Kind auf einem RennRodel im Eiskanal beugt sich ein Erwachsener und spricht.
Trainerin Anke spricht den Kindern Mut zu. Bildrechte: MDR Thüringen/Bettina Ehrlich

Annika, Maurice, Ben und Simon aus Zella-Mehlis haben ein gemeinsames Ziel: Irgendwann einmal wollen sie zu den Besten der Besten unter den Rennrodlern gehören. Deshalb ist Sonntagmorgen auch nicht Spielen angesagt, sondern Tasche packen und mit den Eltern ab ins Auto, zur Rodelbahn nach Oberhof.

Dort wartet schon Trainerin Yvonne Homann auf ihre Schützlinge. Sie war selbst Rodlerin und weiß, wie schön, aber auch wie hart dieser Sport sein kann. "Diese Schlitten heutzutage sind so kippelig - das glaubt kein Mensch, der da nicht selbst mal draufgesessen hat", lacht sie und warnt ihre kleinen Athleten: "Leute, das Eis ist echt rutschig heute; und verzeiht Euch nichts", sagt sie und schickt die kleinen Racker zu Fuß nach oben. Bis Kurve Elf. Ihre Schlitten werden von einem Transporter nach oben gefahren.

Nach einem Sturz beim Rodeln wieder Vertrauen fassen

Oben an Kurve Elf steigen die Kinder über die Bande und stehen auf dem blanken Eis. Anke, ebenfalls vom Rodelclub Zella-Mehlis, hilft den Kindern und hält den Schlitten. Schnell noch das Visier am Helm runter und Handschuhe an. "Ich kann den Kids hier nur noch mal Mut zureden, alles andere ... Da müssen sie alleine durch".

Kaum spricht sie es aus, steht Ben vor ihr. "Ich mach aber keinen Pinguin heute", flüstert er ihr zu. Pinguin - das sind die drei Paddelschläge, mit denen sich die Rodler am Start noch mal Schwung geben. Ben traut sich das im Moment einfach nicht zu. Er hat so ziemlich das Schlimmste erlebt, was einem Rennrodler passieren kann. Er hat sich im Training in einer Kurve gedreht und dann komplett die Kontrolle verloren.

"Es ist halt ein Unterschied, ob dir das nach fünf Jahren Rodeln passiert, oder schon im ersten Jahr", sagt Chris Roheis. Er trainiert die etwas älteren Kinder im Rodelclub. Stürze müssen verarbeitet werden. Und da hilft es manchmal, einfach wieder ein paar Schritte zurück zu gehen. Vor ein paar Wochen wollte Ben nie wieder auf einen Schlitten steigen. Bei ihm geht es jetzt darum, ganz langsam wieder Vertrauen zu fassen.

Ein Kind mit Helm auf einem Rodel-Schlitten
Ben hat das Schlimmste erlebt, was einem Rodler passieren kann. Bildrechte: MDR Thüringen/Bettina Ehrlich

Den Schlitten richtig in der Spur halten

Und es scheint zu funktionieren. Nach seiner ersten Fahrt traut er sich auch wieder die Paddelschläge zu. Mit dem Lob von Trainerin Yvonne bekommt er auch wieder Farbe ins Gesicht. Konzentration ist wichtig So ein kippeliger Rennschlitten will erst mal in der Spur gehalten werden. Die Athleten machen das über ihre Körperspannung und winzige Fuß- oder Schulterbewegungen.

Allein den Kopf mehr als eine Minute lang kurz über dem Boden zu halten kostet enorm viel Kraft. "Das kann ja jeder vor dem Fernseher mal ausprobieren", sagt die Trainerin. Meist sei es so, dass irgendwann Routine einzieht. Wenn die dann aber überhand nehme, gehe oftmals wieder etwas schief. Wer rodelt, muss sich auf den Punkt konzentrieren.

Ein Kind in Renn-Rodelmontur mit Aufschrift Zella Mehkus im Auslauf einer Eisbahn, daneben ein Erwachsener, der einen Rodel trägt.
Alles gut gegangen. Rodeln ist nicht so leicht wie es aussieht. Bildrechte: MDR Thüringen/Bettina Ehrlich

Rodelclub Zella-Mehlis verfolgt Weltcup ganz genau

Damit die Kleinen bei so viel Ernst den Spaß nicht verlieren, geht es oft in die Turnhalle. Dort wird spielerisch trainiert. Die allergrößte Motivation aber ist der Weltcup direkt vor der eigenen Haustür. Der ganze Rodelclub Zella-Mehlis ist die ganze Zeit über an der Rodelbahn.

"Wo hast du das schon, dass du deine Idole förmlich anfassen kannst", freut sich Yvonne Homann. Ihre kleinen Schützlinge schauen dann ganz genau hin, wie das die Großen so machen mit den "Kippelschlitten" und ihren "Pinguinpaddelschlägen". Auch sie haben mal klein angefangen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Thüringen Journal | 28. Januar 2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2020, 17:07 Uhr

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