Viele Hummeln sterben natürlichweise im Juli. Doch die Tiere verhungern auch. Im Naturkundemuseum Erfurt werden die toten Hummeln gesammelt, um den aktuellen Bestand zu ermitteln.
Derzeit sind viele tote Hummeln zu sehen. Biologen sehen das mit Sorge, denn es steckt auch ein langfristiges Problem dahinter. Bildrechte: MDR/Josefine Bauer

Umwelt Insektensterben: Wieso es jetzt so viele tote Hummeln gibt

Schweres Los für Hummeln in Thüringer Städten: Viele sterben im Juli eines natürlichen Todes. Für einen Großteil der Tiere macht sich aber noch ein menschengemachtes Problem bemerkbar.

von Josefine Bauer

Viele Hummeln sterben natürlichweise im Juli. Doch die Tiere verhungern auch. Im Naturkundemuseum Erfurt werden die toten Hummeln gesammelt, um den aktuellen Bestand zu ermitteln.
Derzeit sind viele tote Hummeln zu sehen. Biologen sehen das mit Sorge, denn es steckt auch ein langfristiges Problem dahinter. Bildrechte: MDR/Josefine Bauer

Auch in Thüringen fallen sie in den Städten derzeit besonders auf: Tote Hummeln, die auf Gehwegen, Straßen oder Wiesen liegen. Vor allem unter Linden häufen sie sich. Im Juli habe das zwei Ursachen, sagt Biologe Matthias Hartmann, Direktor am Naturkundemuseum in Erfurt.

Hummelsterben in Thüringen: Natürlicher Tod und Verhungern

Viele Hummeln sterben jetzt ganz natürlich. Im Frühjahr geschlüpft, ist die Lebenszeit der ersten Generation nach drei bis fünf Monaten zu Ende. Hinzu kommen die Tiere, die erst im Mai bis Juni zur Welt kamen und der zweiten Generation angehören: Sie verhungern. Eigentlich hätten sie noch länger zu leben - aber sie finden keine Nahrung.

Hummeln fehlt die richtige Nahrung in Städten

Im Naturkundemuseum in Erfurt werden tote Hummeln untersucht.
Im Naturkundemuseum in Erfurt werden tote Hummeln untersucht. Bildrechte: MDR/Josefine Bauer

Hummeln nehmen Blütennektar zu sich. Da es jedoch kaum noch Unkräuter oder Wildkräuter gebe, verhungern sie, sagt Biologe Hartmann. "Die Blüten sind einfach nicht mehr da." Er kritisiert, dass zu viel gespritzt und zu viel gemäht werde. Außerdem würden in Parks und Gärten die "falschen Pflanzen" - wie Hybride oder solche mit geschlossenen Blüten - gepflanzt. Die helfen Insekten und damit auch den Hummeln nicht.

Das Phänomen, dass Hummeln insbesondere unter Linden sterben, liegt laut Hartmann am falschen Zucker. Die Tiere werden vom Blütennektar der Bäume angelockt, aber er bringt ihnen nichts: Die Lindenblüten enthalten Mannose, die Hummeln brauchen aber Glucose. Da sie die Mannose nicht verarbeiten können, holen sie sich zwar die Pollen, aber verhungern dabei.

Hummelsterben als langfristiger Trend - Bestand geht zurück

In Thüringen können Bürger tote Hummeln an das Erfurter Naturkundemuseum schicken, wo der Bestand der Tiere analysiert wird.
In Thüringen können Bürger tote Hummeln an das Erfurter Naturkundemuseum schicken, wo der Bestand der Tiere analysiert wird. Bildrechte: MDR/Josefine Bauer

Der Trend des Hummelsterbens ist schon seit gut zehn Jahren zu beobachten. Fast jede Stadt habe das gleiche Problem, sagt Biologe Hartmann. Die Lage mache ihm große Sorge. Die Artenvielfalt sei in den vergangenen 100 Jahren um die Häfte zurückgegangen. Heute gebe es in Deutschland noch rund 23 Hummelarten.

Beim Gesamtbestand ist die Lage laut Hartmann noch alarmierender: Er liegt heute bei nur noch 30 Prozent im Vergleich zu vor 100 Jahren. Um den aktuellen Stand zu ermitteln, sammelt das Naturkundemuseum in Erfurt tote Hummeln, die von Bürgern eingeschickt werden, und bestimmt die Arten.

Wie Hummeln geholfen werden kann

Doch wie kann dem Hummelsterben in Städten entgegengewirkt werden? Laut Hartmann würde es helfen, wenn "Unkrautecken" in Gärten und Parks stehenbleiben. Hier können Wildkräuter wie die Taubnessel wachsen und den Hummeln neue Nahrung liefern. Außerdem sollten Wiesen möglichst erst im Oktober gemäht werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 18. Juli 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2019, 09:35 Uhr

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11 Kommentare

20.07.2019 08:50 GRUEN UNSERE ZUKUNFT 11

Die bundes- und europaweite Zunahme fremden- bzw. artenfeindlicher Propaganda begünstigt das Hummelsterben. Colony Collapse Disorder, wie das Problem offiziell heißt.
ZITAT: Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. ZITAT Ende

19.07.2019 13:38 Beton 10

Das hat sicherlich auch etwas mit der Trockenheit zu tun - weniger Regen, weniger Blüten(vielfalt) auf den Wiesen. Auch unter den Linden hat es letztes Jahr weniger geklebt als in den Jahren zuvor. Da setzt sich dieses Jahr fort. Heißt für mich, auch die Blattläuse leiden unter der Dürre. Und weniger Honigtau bedeutet weniger Nahrungsangebot für Bienen und andere Insekten.

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