Fußball | 2. Bundesliga Dynamo Dresden: Mit Konstanz und Flexibilität weiter nach oben

Teamcheck

Dynamo Dresden hat eine ordentliche erste Halbserie gespielt und steht im gesicherten Mittelfeld der 2. Bundesliga. Doch so richtig zufrieden ist man nicht. Zu inkonstant, zu leicht auszurechnen lautete die Selbstanalyse. Wir werfen einen Blick zurück, einen nach vorne und unterziehen das Team von Maik Walpurgis dem Teamcheck.

von Raphael Honndorf

Ralf Minge und Maik Walpurgis (Dynamo Dresden)
Ralf Minge und Maik Walpurgis (Dynamo Dresden) Bildrechte: imago/Robert Michael

So lief die Hinrunde

Es gibt viele Wortgruppen, welche den bisherigen Saisonverlauf von Dynamo Dresden beschreiben würden: "Ein ewiges Auf und Ab", "weder Fisch, noch Fleisch", "nichts Halbes und nichts Ganzes", "das Glas war weder halb voll, noch halb leer" und viele weitere. Man kann aber auch nur ein einzelnes Wort nehmen: unbeständig. Die längste Serie, die Dynamo in der ersten Halbserie in der Liga vorweisen konnte, waren drei Unentschieden gegen die Ost-Klubs Magdeburg, Aue und Berlin am 9., 10. und 11. Spieltag. Zwei Siege am Stück war die längste Erfolgsserie, aber mehr als zwei Niederlagen nacheinander kassierte die SGD auch nicht.

Wie fällt also das Fazit aus? Klar, der Blick auf die Tabelle sagt: 'Alles in Ordnung'. Mit 25 Zählern steht das Team von Cheftrainer Maik Walpurgis im gesicherten Mittelfeld. Der Vorsprung auf den Abstiegs-Relegationsplatz ist größer (zwölf Punkte) als der Rückstand zur Aufstiegsregion (neun Punkte). Auf der anderen Seite stehen unnötige Niederlagen (etwa gegen Heidenheim), ein blamables Ausscheiden im DFB-Pokal gegen den Regionalligisten aus Rödinghausen und natürlich die historische 1:8-Pleite zum Karnevalsauftakt in Köln.

Saisonverlauf Dynamo Dresden
Der bisherige Saisonverlauf von Dynamo Dresden. Bildrechte: Collage: Verein / MDR.DE

Gerade die Anfangsphase der Saison mit der erwähnten Pokal-Niederlage zeigten, dass die Ambitionen groß sind und Zeit auch in der sächsischen Landeshauptstadt ein kostbares Gut ist. So wurde Erfolgstrainer Uwe Neuhaus, der die Mannschaft 2016 zurück in die 2. Liga geführt hatte und dann einmal souverän, einmal weniger souverän in der Klasse hielt, nach dem Erstrunden-Knockout in Rödinghausen gefeuert. Für ihn übernahm Maik Walpurgis. Doch auch er schaffte es (bisher) nicht, Dynamo die erhoffte Stabilität zu verleihen. Zu wechselhaft blieben die Leistungen, die Dreier- respektive Fünfer- und manchmal auch Viererkette hatte immer wieder Probleme und auch offensiv hakte es an einigen Stellen.

Ähnlich sieht es auch Sportgeschäftsführer Ralf Minge: "Ich glaube, dass wir, was die Ausbeute an Punkte anbelangt, zufrieden sein können. Überhaupt keine Frage. Was die Qualität anbelangt, war es doch zu wechselhaft – besonders bei Heimspielen."

Wer kommt, wer geht?

Stand jetzt: Niemand. Das heißt aber nicht, dass Dynamo rundum zufrieden ist mit seinem Personal. Philip Heise und Aias Aosman waren zum Ende der Hinrunde suspendiert worden, wurden aber nach dem Jahreswechsel begnadigt und durften die Vorbereitung in der Mannschaft absolvieren. Angezählt sind sie trotzdem, es ist äußerst unwahrscheinlich, dass ihre Verträge nach deren Ablauf im Sommer verlängert werden. Zudem gab es Trubel um Torwart Markus Schubert, der seinen ebenfalls im Sommer auslaufenden Kontrakt bisher nicht vorzeitig verlängert hat. Und das obwohl ihm Dynamo nach Aussage von Vereins-Urgestein Minge ein "anspruchsvolles Angebot" gemacht hat. Zudem gibt es Überlegungen die Talente Osman Atilgan und Marius Hauptmann zu verleihen.

Verstärkungen will Dynamo auch nur vereinzelt holen, wenn überhaupt. Die Grundvoraussetzung für einen Transfer benannte Minge wie folgt: "Es muss eine Überzeugungstat sein, und die sind selten genug im Winter". Eine Neustrukturierung des Kaders soll dann "sehr zielgerichtet und in sehr hoher Qualität" im Sommer erfolgen. Dennoch wollen die Verantwortlichen ein Leihgeschäft in der Winterperiode nicht komplett ausschließen. Gerade im Sturm würde dem Team ein adäquater Ersatzmann für Goalgetter Moussa Koné gut zu Gesicht stehen. Ob der im Winter aber zu haben ist, ist äußerst unwahrscheinlich. Zumal er direkt helfen sollte, wie Trainer Walpurgis schon im Dezember betonte. Sollte das nicht gelingen, hat Dynamo auch schon die Alternative parat – den eigenen Nachwuchs. "Wir wollen die jungen Spieler fördern, damit sie den Sprung zu den Profis schaffen", so Walpurgis im Trainingslager in der Türkei.

Der Trainer

Neuhaus-Nachfolger Maik Walpurgis hat nun 15 Spiele als Chefcoach der Schwarz-Gelben absolviert – bei einer ziemlich ausgeglichenen Bilanz: sechs Siege, vier Remis und fünf Niederlagen stehen dort. Nach einem intensiven Trainingslager mit "langen Tagen und viel Arbeit" will der laut eigener Aussage extrem ehrgeizige 45-Jährige einen guten Punktspielstart hinlegen, um möglichst schnell in einen "erfolgreichen Rhythmus" zu gelangen. Dafür setzt Walpurgis auch auf einige verletzte Spieler, die nun in der Rückrunde wieder mit an Bord sind. Besonders Kapitän Marco Hartmann hob er hervor: "Er ist extrem wichtig für die Mannschaft. Mit ihm haben wir einen Punktedurchschnitt von 1,8 Punkten geholt, und ohne ihn liegen wir deutlich drunter."

Zudem hatte er das Trainingslager mit einem großen Betreuerteam absolviert, um "interdisziplinär" trainieren lassen zu können. Lange Nachbesprechungen mit den Disziplin-Trainern waren die Folge. Sein Ziel: "Klare Spielprinzipien, klare Abläufe". Zudem sah er Nachholbedarf im läuferischen Bereich. Die Ergebnisse der Vorbereitungsspiele sind jedoch ähnlich inkonstant wie die gesamte Vorrunde. Es gab zwei Siege, zwei Niederlagen und ein Remis. Jedoch sind sie auch nur schwer zu bewerten. Dynamo spielte in Belek zwei Mal zwei Spiele an einem Tag. Die Aufstellungen waren bunt durchmischt, um möglichst viele Spieler zum Zug kommen zu lassen, einen Härtetest für eine "erste Elf" gab es nicht. Dieser könnte dann am Freitag (25. Januar) beim Abschlusstest gegen Dukla Prag erfolgen.

Marco Hartmann
Mit Kapitän Marco Hartmann hat die SGD einen Punkteschnitt von 1,8 Zählern pro Partie. (Archiv) Bildrechte: imago/Steffen Kuttner

Erwartungen an die Rückrunde

Man ist vorsichtig geworden bei Dynamo mit Zielstellungen, das merkt man auch in den Aussagen der sportlichen Führung. "Wir haben hin und her überlegt: Sind es die 47 Punkte, die wir mal ausgegeben haben? Ist es ein Platz zwischen 6 und 11?", erklärte Minge während der Vorbereitung im türkischen Belek. So richtig schlüssig war er sich nicht, rang sich dann aber doch noch zu einer konkreteren Aussage durch: "Ein gutes Ziel wäre auch, wenn wir am Ende zwei, drei Plätze besser da stehen, als es jetzt der Fall ist." Für Minge steht eher die Entwicklung der Mannschaft im Vordergrund. Zudem soll sich die Flexibilität erhöhen. "Dort wollen wir uns weiterentwickeln und nicht mehr so leicht auszurechnen zu sein. Wir wollen den Gegner vor Aufgaben stellen", so Minge weiter.

Und genau das ist richtig. Es wäre vermessen, einen Angriff auf die Aufstiegsplätze auszurufen, und dann unter dem Erwartungsdruck zusammenzubrechen, sollte es am Anfang nicht wie gewünscht laufen. Andererseits bietet sich durch die Zurückhaltung die Möglichkeit, bei vielen guten Ergebnissen im Januar und Februar eine Euphorie zu entfachen. Wer weiß, was dann alles möglich ist? Grundvoraussetzung dafür ist natürlich die von Minge und Walpurgis geforderte Konstanz. Mit den Abstiegsrängen sollte Dresden eigentlich nichts mehr zu tun haben, erst recht nicht, wenn die Heimbilanz noch etwas aufgehübscht wird. Aber ähnlich dachte man sicherlich schon im Vorjahr, als nach 26 Spieltagen bereits 35 zu Buche standen, in den folgenden acht Partien aber nur noch sechs weitere dazukamen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 26. Januar 2019 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2019, 20:17 Uhr

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8 Kommentare

26.01.2019 18:47 Muzzi 8

Stand jetzt, hat man 12 Punkte Vorsprung auf den Reli-Platz und 14 auf einen direkten Abstiegsplatz. Das ist erst mal ein gutes Polster und man tut gut daran, von Spiel zu Spiel zu denken und möglichst die gleiche Punktzahl wie in der Hinrunde zu holen. Schlägt man Bielefeld nächsten Mittwoch, wäre das optimal für die folgenden sehr schweren Spiele gegen Heidenheim und den HSV.
Bisschen mehr konstante Leistungen und die Saison birgt keinesfalls die Gefahr in die gefährliche Zone zu rutschen.
Dynamische Grüsse
Muzzi

26.01.2019 15:08 Dynamokalle 7

Dynamo schafft den Klassenerhalt.
Zwar gerade so, aber es wird weiterhin 2. Liga in DD geben!

25.01.2019 17:49 SGDHarzer66 6

zu3. Waldessohn, danke für Deine Worte.
Ich hatte leider nicht die Möglichkeit, mich gegen ausufernde Vorwürfe zu wehren. Wie gern hätte ich all denen gedankt, welche mich argumentativ verteidigt haben, weil sie erkannten, das ich klare Worte und nichts anderes bevorzuge.
Lese noch gern mit, bleibt alle gesund!
Euer Harzer.

25.01.2019 17:21 Udo841 5

@Motzki
Wer sagt denn, daß Boss nicht besser ist ? Schubi ist nur Nr.1 geworden, weil sich Boss verletzt hatte.
Schubi sollte es wie Stefaniak machen. Erst verlängern und dann mit Ablöse gehen .

25.01.2019 10:09 Motzki 4

@Harzer
Bei Heise und Aosman gebe ich Dir Recht, da ist sicher eine Veränderung nötig. Deine Meinung zur Nr.1 teile ich nicht. Es geht um den bestmöglichen Erfolg für den Verein und somit zählt Leistung. Schubi mag eine moralische Verpflichtung dem Verein gegenüber haben, aber keine vertragliche, zumindest ab kommendem Sommer. Angebot ist gemacht, Gespräche geführt, fertig. Für seine Entwicklung mag Dynamo die bessere Option sein. Aber im Ernst, hättest du mit 21 bei so schwindelerregenden Summen widerstehen können?

25.01.2019 10:08 Waldessohn 3

Schubi ist schon ein guter Torwart, aber er sollte auch mal schauen wer ihn gefördert hat. Ihm wurden keine starken Torhüter vor die Nase gesetzt, Blaswich und Schwäbe wurden nur geliehen, und er durfte ne Ausbildung beim Verein machen. Wenn Schubert sowas nicht berücksichtigt dann ist ihm auch nicht mehr zu helfen. Grüße an den Harzer, wie würdest du dem Forum noch gut tun.

25.01.2019 09:46 Irgendwer 2

Verkauft den Torhüter Schubert, er wird genauso scheitern wie Stefaniak. Solche Hüter gibt es genügend.

24.01.2019 20:38 SGDHarzer66 1

In den sicheren Hafen möglichst frühzeitig einzulaufen schafft auch die Zeit für Planungssicherheit und mögliche Neuzugänge.
Das Heise und Aosman auch unter rein sportlichen Aspekten im Sommer gehen werden, sollte klar sein!
Und zuletzt: Ralf Minge sollte sich nicht auf der Nase von einem Schubert (trotz seiner Leistungen) rumtanzen lassen.
Von daher: Boss als Nr. 1 bereits gegen Bielefeld!
Dynamische Harzer Grüße.