DDR-Oberliga - Die Wendesaison Toni Polster reißt DDR-Elf aus dem WM-Traum

15. November 1989 | WM-Qualifikation

Aus! Vorbei! Finito! Die Fußball-WM 1990 in Italien findet ohne die DDR statt. Ein einziger Punkt fehlte dem Team von Eduard Geyer, das in Österreich jedoch leer ausging. Doch Toni Polster und der Schiedsrichter hatten etwas dagegen.

Spielszene mit Toni Polster (M, Österreich) und Matthias Lindner (r) und Dirk Stahmann (l)
Matthias Lindner (Nr.4) bekam den in Österreich damals unbeliebten Toni Polster nicht in den Griff. Bildrechte: dpa

Es war eine frustrierende Mischung aus Eigen- und Fremdverschulden, die der DDR-Nationalmannschaft das Ticket für „Italia 90“ kostete. So erreichte fast kein Spieler Normalniveau. Von einem Über-sich-Hinauswachsen, wie es in so einem „Finale“ nötig gewesen wäre, war erst recht nichts zu sehen. Zu den Akteuren, die einen rabenschwarzen Tag erwischten, gehörte auch Matthias Lindner. Der Leipziger sollte sich um Toni Polster kümmern, tat das aber nicht zuletzt bei zwei Gegentoren etwas zu liebevoll.

Anton Pfeffer (Österreich, li.) gegen Ulf Kirsten (DDR)
Ulf Kirsten blieb diesmal total blass. Bildrechte: imago/Sportfoto Rudel

Umstrittener Schiri

Und dann war da noch der polnische Schiedsrichter Piotr Werner (Eduard Geyer: "ein bezahlter Gangster"), der zahlreiche merkwürdige Entscheidungen traf. Er verweigerte Ulf Kirsten einen klaren Foulelfmeter und gab dafür einen mehr als zweifelhaften Elfmeter für die Österreicher. Für die FUWO ("Die neue Fußballwoche") war Werner "leider kein Schiedsrichter und schon gar kein Unparteiischer", sondern vielmehr ein "arroganter Rechthaber, fernab von FIFA-Qualität mit (Un-)Beurteilungsvermögen".

Die entscheidenden Eckpunkte der Partie

02. Minute: 1:0 durch Polster
18. Minute: Aigner foult Kirsten klar im Strafraum – kein Elfmeter
23. Minute: Elfmeter für Österreich nach angeblichem Foul von Stahmann – 2:0 durch Polster
30. Minute: Elfmeter für die DDR (Aigner foult Thom) - Steinmann scheitert am Torhüter
61. Minute: 3:0 durch Polster
75. Minute: Rote Karte für Kreer (versuchte Tätlichkeit nach Kopfstoß von Ogris)

DDR Fanblock freut sich während des letzten DDR Länderspiels in Wien gegen Österreich auf die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 1990 in Italien - Die Wende nun auch im Fußball.
Rund 5.000 DDR-Bürger waren u.a. mit Trabis und einem Sonderzug mit nach Wien gereist. Bildrechte: imago/Camera 4

Österreich - DDR 3:0 (2:0)

Österreich: Lindenberger - Aigner, Pecl, Pfeffer, Artner, Zsak, Hörtnagl, Linzmaier,Keglevits, Polster, Ogris (75. Herzog/81. Pfeifenberger)
DDR: Heyne - Stahmann, Kreer, Schößler, Lindner, Döschner (42. Doll), Steinmann, Sammer (79. Weidemann), Stübner, Kirsten, Thom

Zuschauer: 55.000

Die bisherigen Spiele der DDR-Auswahl
19. Oktober 1988 DDR - Island 2:0
30. November1988 Türkei - DDR 3:1
12. April 1989 DDR - Türkei 0:2
26. April 1989 UdSSR - DDR 3:0
20. Mai 1989 DDR - Österreich 1:1
06. September 1989 Island - DDR 0:3
08. Oktober 1989 DDR - Sowjetunion 2:1
15. November 1989 Österreich - DDR 3:0
Die Abschluss-Tabelle
  Spiele Tore Punkte
1. UdSSR 8 11:4 11:5
2. Österreich 8 9:9 9:7
3. Türkei 8 12:10 7:9
4. DDR 8 9:13 7:9
5. Island 8 6:11 6:10

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 23. November 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2019, 15:07 Uhr

1 Kommentar

wicky 67 uncut vor 4 Wochen

Da war ich damals sehr sehr traurig.

Die Wende: Was in den letzten Tagen geschah

9. November 1989

9. November 1989

Günter Schabowski erklärt gegen 19 Uhr schlecht vorbereitet auf einer Pressekonferenz, jeder Bürger dürfe über die Grenzübergänge ausreisen ... ab sofort. Die Meldung in den Fernsehnachrichten mobilisiert Zehntausende.

9. November 1989, 21:15 Uhr

9. November 1989, 21:15 Uhr

Erste DDR-Bürger testen am Übergang Marienborn-Helmstedt, ob die Grenze wirklich offen ist. Ahnungslose Grenzposten lassen sie durch und wieder zurück.

9. November 1989, später Abend

9. November 1989, später Abend

Die DDR-Grenzer haben auch an der Berliner Mauer keine Instruktionen, halten die Menschenmenge zunächst mit Passkontrollen und Abstempeln hin. Gegen 22:30 Uhr wird der erste Schlagbaum geöffnet, in der Bornholmer Straße.

10. November 1989, Mittag

10. November 1989, Mittag

Auf Befehl der SED-Führung machen sich zwei Eliteeinheiten der Nationalen Volksarmee gefechtsbereit. Alle Stasi-Angehörigen müssen bis auf Widerruf in ihren Diensteinheiten bzw. Einsatzobjekten bleiben.

10. November 1989, Nachmittag

10. November 1989, Nachmittag

Die UdSSR erklärt, die Ereignisse seien eine ureigene Angelegenheit der DDR. Auch der Westen solle sich nicht einmischen. +++ Im DDR-Fernsehen wird beteuert, dass die Reiseregelung von Dauer sei.

10. November 1989, Abend

10. November 1989, Abend

Vor dem Rathaus Schöneberg spricht Bundeskanzler Helmut Kohl vor bis zu 40.000 Demonstranten. Er betont die Einheit der Nation, fordert zugleich aber Besonnenheit.

11. November 1989

11. November 1989

West-Berlin platzt ob der vielen Besucher aus allen Nähten. Bürgermeister Momper fühlt sich von der Bundesregierung alleingelassen und kritisiert, dass der Kanzler vorläufig nicht mit der DDR-Führung reden wolle.

12. November 1989

12. November 1989

DDR-Verteidigungsminister Keßler hebt öffentlich den Schießbefehl auf. Das Neue Forum mahnt, sich nicht vom politischen Neuaufbau ablenken zu lassen.

13. November 1989

13. November 1989

Die Volkskammer, das DDR-Parlament, wählt den bisherigen Dresdner SED-Bezirkschef Hans Modrow zum Vorsitzenden des Ministerrats.