DDR-Oberliga - Die Wendesaison Dynamo holt FCM vom Thron – Torefest in Rostock

08. November 1989 | 10. Spieltag

Der 10. Oberliga-Spieltag stand im Schatten der sich gerade täglich verändernden politischen Lage im Land – und des "Finales" in der WM-Qualifikation in einer Woche gegen Österreich. Dabei hat der 10. Spieltag durchaus Spektakuläres zu bieten: das Spitzenspiel Dynamo-FCM, ein Duell zweier Erzrivalen, eine torreiche Partie in Rostock und ein überraschendes Remis in Berlin.

Szene aus dem DDR-Oberliga-Spiel Dynamo Dresden gegen 1. FC magdeburg am 8.11.1989
Matthias Sammer bejubelt sein Prachttor. Bildrechte: MDR/DRA

Dynamo Dresden – 1. FC Magdeburg 3:1 (2:0)

Es war ein Spitzenspiel, das den Namen wirklich verdient hat - Dynamo und der FCM lieferten sich auf dem morastigen Rasen und vor 32.000 (!) Zuschauern einen echten Klassefight. Die erste Halbzeit war Dynamo klar besser und ging mit zwei Toren in Führung: Gütschow (4.) setzte sich bei einem Zweikampf im Strafraum durch und düpierte auch noch den ansonsten starken Keeper Heyne; Sammer (25.) verzückte die Fans mit einem 25-m-Hammer. Als dann Magdeburgs Abwehrspieler Schuster nach wiederholtem Foulspiel Rot sah (33.), schien die Partie gelaufen.

Aber der FCM machte in Unterzahl vor allem nach der Pause ein Riesenspiel. Wuckel (78.) gelang mit einem fulminanten 25-m-Freistoß ins linke Eck der verdiente Anschluss. Rösler und Stahmann hatten sogar den Ausgleich auf dem Fuß. Auf der anderen Seite vergaben Kirsten und Gütschow beste Chancen. In der Schlussminute machte der im Strafraum freigespielte Gütschow dann doch noch den Deckel drauf und sicherte Dynamo den erneuten Sprung an die Tabellenspitze.

Hansa Rostock – 1. FC Lok Leipzig 3:3 (1:2)

Auch die 12.000 Zuschauer im Ostsee-Stadion kamen voll auf ihre Kosten. Halata und Hobsch brachten Lok schnell mit 2:0 in Führung. Hansa Trainer Voigt, der sein Team nach dem Pokal-Aus gegen Schkopau auf fünf Positionen verändert hatte, reagierte relativ schnell und brachte mit Weichert einen dritten Stürmer. Der Mut wurde belohnt. Rostock gelang der Anschluss, wurde immer stärker und drehten nach der Pause die Partie. Den endgültigen K.o.-Schlag verpasste Hansa aber genauso wie zu Beginn die Leipziger, die sich am Ende noch einen Zähler erkämpften.

FC Karl-Marx-Stadt – Wismut Aue 1:0 (0:0)

Das Goldene Tor im sächsischen Duell war zugleich ein Jubiläum: Steinmann erzielte in der 72. Minute den 1000. Oberliga-Treffer der Karl-Marx-Städter. Die waren deutlich besser als die Erzgebirgler, erschienen aber oft übermotiviert, agierten überhastet. Die sehr defensive Wismut-Elf hatte eigentlich nur eine echte Chance – kurz vor dem Schlusspfiff.  Aber Aues Schmidt zog gegen den FCK-Schmidt im Tor den Kürzeren.

FCK gegen Aue
Rico Steinmann schießt das entscheidende Tor Bildrechte: Frank Kruczynski

BFC Dynamo – Eisenhüttenstadt 0:0

Die Mutmaßung, dass der BFC mit den Schiedsrichtern im Bunde agiert, bekam mal wieder neue Nahrung. Dass Berlins Torhüter Kosche für sein Foul an Löhnert keine Rote Karte sah, bleibt jedenfalls unverständlich. Eisenhüttenstadt machte hinten dicht, wurde mit zunehmender Spielzeit auch in der Offensive mutiger und erkämpfte sich sein bereits achtes Remis im zehnten Oberliga-Spiel. Auch wenn Berlins Ernst noch den Pfosten traf (76.), die Punkteteilung geht in Ordnung.

HFC Chemie – Rot-Weiß Erfurt 3:0 (0:0)

Die Erfurter bleiben der Lieblingsgegner des HFC, die sich in dem Duell bereits zum fünften Mal in Folge durchsetzten. Dabei machten die Thüringer einmal mehr keinen schlechten Eindruck. Beim letzten Pass oder Abschluss allerdings fehlen ihnen einfach die Nerven. Nach Wosz‘ schönem Freistoßtor (sein erster Treffer in dieser Saison) ging bei RWE jedoch fast nichts mehr, was der HFC eiskalt ausnutzte.

FC Carl Zeiss Jena – Bischofswerda 1:0 (1:0)

Ein reines Nervenspiel war auch das Kellerduell in Jena. Nach der Führung durch Raabs Kopfballtor in der 13. Minute bekam Jena zwar etwas mehr Sicherheit in seine Aktionen, nach der Pause war die aber wie weggeblasen. Plötzlich stellte Bischofswerda das bessere Team und kam auch zu guten Chancen. Das Problem mit den Nerven hatte aber auch das Schlusslicht.

Bereits am 4. November: Energie Cottbus - Stahl Brandenburg 3:1 (2:1)

Szene aus dem DDR-Oberliga-Spiel Dynamo Dresden gegen 1. FC magdeburg am 8.11.1989
Torsten Gütschow nach seinem 1:0 gegen den FCM. Bildrechte: MDR/DRA

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | 09. November 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2019, 15:00 Uhr

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