04.02.2020 | 12:22 Uhr Kohlenmonoxid - die unterschätzte Gefahr

Immer wieder hört man von Kohlenmonoxid-Vergiftungen, zum Teil mit Todesfolge, bundesweit. Karin Engler klärt über eine unsichtbare und unterschätzte Gefahr auf und wie wir uns schützen können.

Totenkopf und Schrifzug 'Achtung! Kohlenmonoxid' 2 min
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Das Gas Kohlenmonoxid ist unsichtbar, hat keinen Geruch und wird nicht von herkömmlichen Rauchmeldern erfasst. Viele Menschen wissen überhaupt nicht, dass sie Gefahrenquellen in ihrem Umfeld haben. Dr. Nina Glaser vom Bundesinstitut für Risikobewertung erklärt, wo das Gas versteckt sein kann: "Das können Heizungsanlagen sein, die Kohlenmonoxid freisetzen, wen ein Defekt vorliegt, oder wenn sie nicht fachgerecht betrieben werden. Außerdem auch Holzkohlegrills oder gasbetriebene Heizstrahler, wenn man die zum Beispiel im Innenraum verwendet, wo keine ausreichende Lüftung gewährleistet ist."

Auch offene Kamine können zur Gefahr werden, wenn sich zum Beispiel das Verbindungsrohr zum Schornstein verschoben hat. Dunstabzugshauben sind dann eine Gefahr, wenn die fugendichten Fenster den natürlichen Luftwechsel verhindern.

Holzpellets können schon bei der Lagerung Kohlenmonoxid freisetzen, ganz ohne Verbrennungsprozess, und das passiert vor allem dann, wenn die Holzpellets noch relativ frisch sind.

Dr. Nina Glaser Bundesinstitut für Risikobewertung

Neue Gefahrenquelle: Shisha Bars

Eine bei uns relativ neue Gefahrenquelle sind die Shisha Bars. "Das Kohlenmonoxid wird hauptsächlich durch die Kohle freigesetzt, die auf diesen Shishas, auf den Tabak, aufgesetzt wird. Je mehr Shishas nebeneinander stehen, desto mehr Kohlenmonoxid entsteht auch. Und dann sind die Bars natürlich oft relativ gut abgeschottet. Die Fenster sind zu und die Bars dürfen wegen des Lärmschutzes auch nicht lüften, so dass sehr hohe Kohlenmonoxid-Konzentrationen frei werden“, sagt Dr. Nina Glaser.

Was passiert im Körper?

Ist das Kohlenmonoxid erst einmal in der Lunge, entfaltet es dort seine fatale Wirkung. Denn unser Blut nimmt das giftige Gas 200 Mal schneller auf als Sauerstoff.

Kaminfeuer
Romantisch so ein Kaminfeuer. Aber wenn die Drosselklappe am offenen Kamin falsch eingestellt ist, kann Kohlenmonoxid austreten und zur Gefahr werden. Bildrechte: imago/imagebroker

"Die Symptome sind relativ unspezifisch. Eine leichte Vergiftung umfasst beispielsweise Kopfschmerzen, Schwindel, Kurzatmigkeit. Wenn der Sauerstofftransport ins Gewebe länger gestört ist, dann kommt es oft zu Bewusstseinseintrübung. Es kann zu Erbrechen kommen oder auch zu Atemstörungen. Bei schweren Vergiftungen fallen die Leute teilweise ins Koma oder entwickeln epileptische Anfälle. Und im schlimmsten Fall kommt es dann auch zum Tod durch Herzversagen oder Atemlähmungen," so Dr. Nina Glaser.

Aus diesem Grund empfiehlt sie, Heizungsanlagen und Gastherme regelmäßig warten zu lassen. Geräte wie Holzkohlegrills, gasbetriebene Heizstrahler sowie Notstromaggregate seien für die Verwendung im Innenraum nicht geeignet. Shisha-Raucher sollten immer auf ausreichende Belüftung achten. Außerdem wird empfohlen, dass man zusätzlich zu dem normalen Rauchmelder einen Kohlenmonoxid-Melder installiert. Der Deutsche Feuerwehrverband befürwortet das seit vielen Jahren.

Grafik Kohlenmonoxid-Austritt im Haus
Versteckte Gefahren: Hier kann im Haus Kolhenmonoxid austreten. Bildrechte: MDR/Panthermedia

Quelle: MDR/ke/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 03.02.2020 | 10 bis 13 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2020, 12:22 Uhr

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