18.01.2020 | 18:22 Uhr Wohin mit dem Geld? Anlegertipps beim Börsentag in Dresden

Sparer erleben schwere Zeiten: Zinsen um die Null Prozent oder sogar Minuszinsen. Was also tun mit seinem Geld und wie findet man den richtigen Weg? MDR SACHSEN hat sich beim Börsentag am Sonnabend in Dresden unter Anlegern und Profis umgehört.

In einer Glasvitirine liegen vier Goldbarren. sie glänzen im Licht und wiegen jeder 1000 Gramm.
Bildrechte: Kathrin König

Mehrere Tausend Interessierte fürs Aktiengeschehen haben am Sonnabend den Börsentag in Dresden besucht. Bei der Anlegermesse im Congresszentrum stellten sich Banken, Börsen, Broker, Institutionen, Buchverlage und Finanzexperten vor. Vorträge in drei Sälen mit Themen wie "Was bringt uns 2020?", "Geldanlage im Zinstief" oder "Welche Aktien muss man haben?" waren voll besetzt. Viele Besucher sammelten allgemeine Informationen, andere kamen gezielt wegen bundesweit bekannter Gastredner.

Zwei junge Besucher aus Hessen und der Schweiz stehen im Congresscentrum Drersden und wollen sich über Aktien informieren.
Sabrina Loose (re.) und Chistoph Schmidt waren extra wegen eines Vortrags aus der Schweiz und aus Kassel nach Dresden gekommen. Bildrechte: Kathrin König

Wie zum Beispiel Sabrina Loose. Die 31-Jährige war extra aus dem Aargau in der Schweiz nach Dresden gekommen, um einen Vortrag von Stefan Kassing zu hören. Der Börsenanalyst gibt seine Tipps in sozialen Medien weiter. Tausende Interessenten folgen ihm dort. "Er ist mein Mentor von dem ich lernen kann", sagt die Angestellte im Sicherheitsdienst. Ihr Freund Christoph Schmidt wollte vom Börsenexperten vor allem erfahren, ob und wie Wirtschaftsnachrichten in den Medien ihm als Kunden weiterhelfen. "Ich kümmere mich selbst um mein Geld. Ich gebe es bei keiner Bank ab, um es dann zehn Jahre liegen zu lassen. Das machen so viele. Sie geben damit die Verantwortung ab. Das ist nicht meine Sache", meint der 23 Jahre alte Messebesucher.

Was, wenn am Monatsende nichts zum Sparen bleibt?

Zwei junge, sportliche und mit Muskeln bepackte Footballspieler stehen an einem Messestand im Congresscentrum Dresden. Sie werben für den Stand der Ostsächsischen Sparkasse am 18.1.2020.
Footballer Phillip Most (li.) hat gut Lachen. Er hat für seine Altersvorsorge in Aktienfonds investiert. Teamkollege Felix Tasler (re.) würde das auch gern, setzt seine Pläne aber nicht um. Bildrechte: Kathrin König

Felix Tasler geht mit seinem Geld anders um. Der Football-Spieler bei den Dresden Monarchs urteilt über sich selbst: "Ich bin eher der 'Von-der-Hand-in-den-Mund-Typ'. Wenn das Geld am Monatsende alle ist, kommt neues hinzu." Taslers Mutter würde ihn gern zum Sparen animieren, um mehr finanzielle Sicherheit zu erlangen. Aber: "Wenn ich mir Geld zurückgelegt habe, dann gebe ich es für irgendetwas aus. Manchmal überlege ich schon, etwas in Aktien zu investieren. Die Informationen sind mir aber so unübersichtlich."

Finger weg von Kaufempfehlungen per Telefon

Aus der Masse der Informationen müsse man sich schon ein breites Bild verschaffen und bei vielen Quellen informieren, meint Andreas Lube von der Bankenaufsicht Bafin. "Anders geht es leider nicht." Viele Dresdner fragten an Lubes Messestand nach, woran man denn schwarze Schafe in der Finanzbranche erkennen könne und wie sich die besten Geldanlagen finden ließen. Richtige Verbraucherberatung dürfe die Banken-Aufsichtsbehörde nicht machen, "Verbraucherhinweise geben", das ginge schon. "Man soll vorsichtig sein und Angebote immer vergleichen. Bei Kaufempfehlungen am Telefon sage ich immer: Leg' einfach auf", so Andreas Lube.

Auch beim Goldkauf aufs Bauchgefühl hören

Tobias Kascha, ein Banker und Niederlassungsleiter der Degussa bank schaut durch eine gläserne Vitirne. In der vitrine glänzen Gold- und Silberstücke beim Börsentag in Dresden am 18.1.2020.
Referent auf der Messe und Goldhändler Tobias Kascha warnt vor ominösen Gold-Händlern im Internet und vor Fakeshops. Sein Tipp: "Niemals vorab Geld überweisen." Bildrechte: Kathrin König

Die Tipps für die Aktienbranche sollten auch Gold-Interessierte beherzigen. "Ein Edelmetallhändler ruft nie proaktiv bei potenziellen Kunden", erklärt ein paar Messestände weiter auch Tobias Kascha von der Degussa Goldhandel GmbH. Große Provisionssummen seien im Goldhandel nicht üblich. Bevor man sich zum Goldkauf entschließe, sei Beratung wichtig. "Die muss stimmen. Die Menschen sollten auf ihr Bauchgefühl hören und sich vorab mit dem Thema beschäftigen", rät Kascha.
Wer überlegt, sein Geld anzulegen, sollte nach Kaschas Meinung fünf bis 20 Prozent davon in Gold anlegen. Und man sollte vor dem Kauf festlegen, wo das Gold später gelagert werden soll: im Schließfach, im Wertelager, zu Hause? Eventuell aber nicht so, wie ein älterer Dresdner, der sich an Kaschas Messestand darüber beklagte, dass die Glasverpackung seines Goldes beschädigt war. "Er hatte das Gold im eigenen Garten vergraben."

Mixen nach Geschmack

Ein Mann im schwarzen Anzug und mit weißem Hemd blickt freundlich in die Kamera. Er steht an einem Messestand in einer Halle. Es ist der Filialleiter der ostsächsischen Sparkasse in Königsbrück, Gerd Schönemann. Er betreute am 18.1.2020 einen Messetand der Sparkasse im Dresdner Congresscentrum.
Sparkassen-Filialleiter Gerd Schönemann weiß: "Wenn alle eine bestimmte Aktie kaufen, dann sollte man die finger davon lassen." Bildrechte: Kathrin König

Und was empfiehlt ein Sparkassenberater Messebesuchern auf der Suche nach mehr Durchblick? "Ich persönlich rate zu breit gestreuten Aktienfonds weltweit für die Rendite, als solide Altersversorge eine kleine Wohnung, die man vermietet und allgemein zu gutem Mute", sagt Gerd Schönemann von der ostsächsischen Sparkasse. Der Negativzins werde noch schlimmer, da seien sich alle Trader einig. "Sein Geld nur herumliegen zu lassen, bringt gar nichts." Ob man in Einzelaktien, Fonds, Edelmetalle, Kunst oder Oldtimer investieren wolle, müsse jeder selbst entscheiden. "Ich sage immer: Hauchen Sie Ihrem Geld Leben ein und stellen Sie sich einen Mix zusammen", meint der Sparkassenfilialleiter aus Königsbrück.

Mehrere dutzend bücher stehen einzeln aufgereiht auf einem langen Tisch. Interessierte Messebesucher sehen sich die Buchtitel an am 18.1.2020 in Dresdner Congresscentrum.
Mehr als 70 Finanzratgeber hatte ein Fachverlag ausgestellt. Bildrechte: Kathrin König

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 18.01.2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2020, 18:22 Uhr

6 Kommentare

Mustermann vor 4 Wochen

Betrügen tun auch andere. Das ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen. Aber der Vertrauensbruch durch die Sparkassen ist ungleich höher als bei den anderen auswertigen Banken etc.. Die Sparkassen haben durch ihre Jahrzehntelange Nähe zum Kunde, das enorme und unerschütterliche Vertrauen - mutmaßlich - gnadenlos ausgenutzt. Was nun schlimmer ist von wem man betrogen wird, mag jeder für sich selbst festlegen.

seikilos vor 4 Wochen

Betrügen tun auch andere. Ach so ich bin kein Freund der Sparkasse, schon lange Kunde einer Direktbank. Aber seien wir doch ehrlich das Problem der Banken ist die Nullzinspolitik der EZB . Aber uns wurde ja erklärt das der Euro nur Vorteile bringt🤮

Mustermann vor 4 Wochen

und ich empfehle allen Kunden der Sparkasse richtig nachzurechnen...ich sag nur der mutmaßliche Zinsbetrug einzelner Sparkassen. Aktuell laufen da wohl einige Verfahren. Also Augen auf, auch und gerade wenn es die Sparkasse an der Ecke ist.

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