18.01.2020 | 17:45 Uhr Ärger um Zeitungszustellung im Raum Kamenz

Zeitungen stecken in Briefkästen eines Mehrfamilienhauses
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In Panschwitz-Kuckau, Crostwitz und Schönau sorgt seit Jahresbeginn eine neue Strategie der Sächsischen Zeitung für Unmut. Die Zeitung lässt ihre Printausgaben nun von Briefboten statt von Zeitungsausträgern in die Briefkästen verteilen. Die Abonnenten haben die Tageszeitung so meist erst gegen Mittag auf dem Tisch.

"Das ist nicht so schön", empört sich eine langjährige Abonnentin aus Panschwitz-Kuckau. "Früh beim Frühstück die Zeitung lesen, das war immer das Schönste. Da wusste man genau, was am Tag alles so passiert und vorher passiert ist. Jetzt kommt die Zeitung erst Nachmittag." Das Abonnement deswegen kündigen will die Zeitungsleserin aber nicht. "Ich bleibe dabei. Denn ich möchte gerne wissen, was sich hier bei uns in unserer Region abspielt."

Der Zeitungsausträger hat nur noch zweimal die Woche zu tun

Zeitungsausträger Martin Sareng aus Tschaschwitz hört seit Anfang des Jahres immer mehr solche Klagen. Er trug seit 2016 in den Dörfern Tschaschwitz, Lehndorf und Siebitz früh die Zeitung aus. Jetzt geht er seine Runde nur noch zweimal die Woche und bringt Werbeprospekte und die SZ-Wochenendausgabe.

"Viele Leute sind enttäuscht, wenn sie die Zeitung erst am Mittag oder Nachmittag bekommen. Viele wollen die Zeitung bevor sie zur Arbeit fahren lesen und nicht erst abends", sagt Sareng. "Im Laufe des Tages hört jeder Nachrichten und bekommt einiges mit, was dann abends in der Zeitung steht." Die Artikel in der Zeitung sind dann nicht mehr aktuell. Etliche Leser ziehen daraus die Konsequenz und kündigen.

Personalmangel als Grund für die Umstellung?

Dass die Sächsische Zeitung trotz des Risikos Leser zu verlieren, auf diesen neuen Weg in der Zeitungszustellung setzt, liegt am Personalmangel, sagt Alexander Hesse, Pressesprecher von "PostModern". Es gebe kaum noch Menschen, die in den frühen Morgenstunden Zeitungen austragen würden. Deshalb bringen nun die rot gekleideten Boten des Postunternehmens die Gazetten.

Wie die Sächsische Zeitung gehört PostModern der DDV-Mediengruppe. "Wir wollen sicherstellen, dass die Tageszeitung nicht verschwindet. Und dafür braucht es kreative Ideen. Man muss neue Modelle erproben und sich den Gegebenheiten in der Zustellung anpassen", bekräftigt Hesse.

Zusätzliche Arbeit für die Postboten

Für PostModern-Mitarbeiterin Cornelia Kreische bedeutet das mehr Arbeit. Sie steht am frühen Morgen im Verteilzentrum und sortiert die Tagespost ihrer rund 100 Kilometer langen Tour vor. Dass sie nun auch Zeitungen verteilt, macht für sie keinen großen Unterschied. Das Sortieren dauere nur etwas länger. "Von der Stückzahl hat es sich mächtig erhöht", sagt Kreische.

PostModern-Sprecher Hesse hält das System der sogenannten "Hybridzustellung" aber für "handelbar". "Das ist was anderes als die reine Postzustellung. Aber von unseren Zustellern wird das gut gelöst." Noch sei diese Art der Zustellung ein Test. Die Umstellung betrifft derzeit rund 1.000 von sachsenweit 182.000 SZ-Abonnenten. Die Ergebnisse werden zeigen, ob das Modell auf andere Regionen ausgedehnt wird und zusätzliche Postboten eingestellt werden.

Digital-Ausgabe als Alternative?

"Für uns ist aber wichtig: Wie kommt das bei den Abonnenten an, wie reagieren sie darauf? Und da haben wir natürlich eine Reihe von Anrufen bekommen. Aber ein Großteil der Abonnenten hat es auch verstanden und ist auch bereit, sich erstmal auf diese Situation einzulassen", sagt Nikolaus von der Hagen, Vertriebschef der Sächsischen Zeitung. Andere Abonnenten seien auf die Digital-Ausgabe umgestiegen.

Dass die Kündigungen verärgerter Leser zum Ende der gedruckten Zeitung führt, damit rechnet von der Hagen nicht. "Eine Nachfrage nach Qualitätsjournalismus wird es immer geben. Davon gehen wir ganz fest aus. Wir wissen, dass unsere Abonnenten Papier lieben. Die mögen, wenn es raschelt. Deshalb sind wir zuversichtlich, dass es die Sächsische Zeitung in der gedruckten Form noch ein Weilchen geben wird."

Quelle: MDR/rh/mk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 18.01.2020 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2020, 17:45 Uhr

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