20.01.2020 | 18:57 Uhr Neuer Zugfahrplan hängt Kamenz ab

Seit einem Monat ist der öffentliche Nahverkehr im Kamenzer Raum wenig komfortabel. Wartezeiten haben sich verlängert, Umstiege sind entweder sportlich oder gar nicht zu schaffen. Für Berufspendler, Schüler und Studenten, die auf Bus und Bahn setzen, ist der Fahrplanwechsel seit Dezember 2019 so ein Ärgernis, dass sich mit ihm am Mittwoch der Kamenzer Stadtrat auf einer Sondersitzung befasst.

Der Regionalzug RB34 am Bahnhof von Kamenz
Der Regionalzug RB34 am Bahnhof von Kamenz. Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Kurz vor der vollen Stunde fuhr die Regionalbahn RB34 von Kamenz ab und in einer Dreiviertelstunde war man in Dresden. Eine super Verbindung für Berufspendler, deren Arbeitszeit zur vollen Stunde in der Landeshauptstadt begann. Seit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember vergangenen Jahres ist das nicht mehr der Fall. Die Züge der Mitteldeutschen Regiobahn (MRB) - bestellt vom Verkehrsverbund Oberelbe - fahren jetzt um eine halbe Stunde verschoben. Wer um 6 Uhr beginnt, müsse dann schon kurz vor halb 5 Uhr los, um pünktlich da zu sein, nennt Peter Sondermann ein Beispiel. Der Kamenzer fährt seit vielen Jahren Zug, pendelte früher auch mit den Öffentlichen zur Arbeit. Den neuen Fahrplan bezeichnet Sondermann als sehr misslich. "Für Kamenz ist es insgesamt eine deutliche Verschlechterung." Einige alteingesessene Bahnfahrer nehmen inzwischen das Auto, weiß der Kamenzer. Das könne doch politisch so nicht gewollt sein, sagt er.

Wir fühlen uns als Pendler abgehängt.

Peter Sondermann Bahnfahrer aus Kamenz

Schüler haben längere Wartezeiten

Auch Schüler und Studenten trifft es. Einige müssen erheblich früher losfahren. Während die Stadtbusse an die neue Taktung angepasst wurden, ist es gerade aus den umliegenden Dörfern umständlicher geworden, mit dem Bus zum Zug zu kommen. Ähnliches gelte für einige Anschlüsse an die Fernzüge ab Dresden. Die Umstiegszeit in den Zug nach Frankfurt/Main mit Gleiswechsel betrage sportliche fünf Minuten, beschreibt Sondermann.

Alexander Maschke im Bahnhofsgeschäft Kamenzer Büdchen in Kamenz.
Alexander Maschke vom "Kamenzer Büdchen". Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Auch Alexander Maschke vom "Kamenzer Büdchen" - einem kleinen Geschäft mit Ticketservice im Bahnhofsgebäude - bekommt den Unmut der Reisenden mit. Er verkaufe weniger Fahrkarten und erfahre in Gesprächen, dass mancher Pendler aufs Auto umgestiegen sei. Schüler aus dem Umland würden in den langen Wartezeiten schlicht herumgammeln, andere gleich von ihren Eltern zur Schule nach Kamenz gefahren werden.

VVO strebt Änderungen im Fahrplan an

Dem Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) sind die Probleme bekannt. Auf den Taktwechsel hatten sich die Verkehrsverbünde VVO und ZVON geeinigt, um im Zittauer Raum die Anbindungen zu verbessern. Man habe seither zahlreiche Nachfragen, Hinweise und Kritik erhalten, so Pressesprecher Christian Schlemper vom VVO. "Eine Veränderung der Fahrzeiten nach vielen Jahren relativer Stabilität ist nie einfach, da sich für die Fahrgäste gewohnte Abläufe ändern." Allerdings sei der VVO selbst mit dem derzeitigen Fahrplan nicht zufrieden und strebe eine Überplanung an, so Schlemper.

Eine Lösung wäre, den Zug RB34 alle 30 Minuten fahren zu lassen. Laut Schlemper ist diese Taktverdichtung schon auf Grund der wachsenden Fahrgastzahlen notwendig. Der VVO könne dies aber nicht allein finanzieren. Frühestens Ende 2021 könnten die Züge öfter fahren, vorausgesetzt der Freistaat beteiligt sich an den Kosten.

Sonderstadtrat am 22. Januar

Die Kamenzer fühlen sich indessen abgehängt. "Dass der Halbstundentakt doch noch nicht kommt, ist kein gutes Zeichen", sagt Anne Hasselbach von der Fraktion "Stadt Land Frau". Ihre Fraktion und die Linke haben für diesen Mittwoch ab 18 Uhr einem Sonderstadtrat in Kamenz durchgesetzt. Hasselbach will eine Erklärung von Oberbürgermeister Roland Dantz erwirken und eine Korrektur des Fahrplans im Interesse der Stadt.

Die Stadtverwaltung sei bereits "vertrauensvoll im Gespräch mit dem VVO und der Landkreisverwaltung", erklärte der Kamenzer Stadtsprecher Thomas Käppler auf Anfrage von MDR SACHSEN. "Entscheidend aus unserer Sicht wird für die Entwicklung der Region und des Mittelzentrums Kamenz sein, dass das Versprechen der Landesregierung für eine halbstündige Taktung spätestens ab dem nächsten neuen Fahrplan eingehalten wird." Damit würden sich alle aktuellen Probleme lösen lassen.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.01.2020 | ab 09:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

Zuletzt aktualisiert: 20. Januar 2020, 18:57 Uhr

3 Kommentare

DS79 vor 5 Wochen

Auch hätte man seitens des VVO Teile des Dieselnetzes (ehemals Städtbahn) an die DB (not-)vergeben können aber der VVO möchte lieber billig und so hat die Strecke Pirna-Sebnitz nun seit über einem halben Jahr keinen Zug mehr gesehen. Und wird sie wahrscheinlich auch nie mehr.

Moni vor 5 Wochen

Sehr geehrte Damen und Herren, der Beitrag ist gut geschrieben , aber es fehlt der Kommentar das der VVO den Zwischentakt der DB vergeben hat , diese auch bereit stand , aber auf Grund der teuren Insolvenz der VVO die Bahn aus den Rennen nahm .

Dynamo vor 5 Wochen

Wie sagen die Oberen z.B. bei den Lehrern doch immer wieder, geht auf's Land, dort bekommt ihr einen Arbeitsplatz. Das dort dann aber sich "Fuchs und Hase" Gute Nacht sagen, dass verschweigt man, genauso, dass die einfachsten Einkaufsmöglichkeiten fehlen, öffentliche Verkehrsverbindungen in die Kreisstädte, kulturelle Möglichkeiten (Kino), usw. An fehlenden finanziellen Mitteln in den letzten Jahren hat es auf jeden Fall nicht gelegen.

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