Das Logo der Ameos-Klinik
Tarifverhandlungen für die 4.000 Ameos-Beschäftigten – das fordert nicht nur die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Bildrechte: MDR/Mario Köhne

Forderung nach Tarifverhandlungen Warnstreik in Ameos-Kliniken – Betreiber droht Mitarbeitern

Sachsen-Anhalts Ameos-Beschäftigte sind am Freitag zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Das Ziel: die Aufnahme von Tarifverhandlungen für die rund 4.000 Beschäftigten der Klinikgruppe. Die Geschäftsleitung verwehrt diese bislang und droht den Mitarbeitern bei Streik – skandalös, findet der Landesvorsitzende der Linken Stefan Gebhardt.

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Tarifverhandlungen für die 4.000 Ameos-Beschäftigten – das fordert nicht nur die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Bildrechte: MDR/Mario Köhne

In Sachsen-Anhalt droht der Klinikbetreiber Ameos streikenden Mitarbeitern mit Konsequenzen. Das geht aus einer internen Mail an die Mitarbeiter hervor, die MDR SACHSEN-ANHALT vorliegt. Ein Streik werde den Erhalt von Fachabteilungen und Arbeitsplätzen gefährden. Für Mitarbeiter würde das unter anderem längere Arbeitswege bedeuten.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di spricht von einer "harten Drohung und erpresserischem Druck". Sie hatte die Ameos-Beschäftigten am Freitag an den Standorten in Haldensleben, Aschersleben, Staßfurt, Schönebeck, und Bernburg zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Laut ver.di-Verhandlungsführer Bernd Becker hätten sich am Morgen mehr als 400 Streikende an den vier Standorten versammelt.

Ameos-Beschäftigte streiken für Aufnahme von Tarifverhandlungen

Warnstreik der Ameos-Beschäftigten in Aschersleben
Warnstreik der Ameos-Beschäftigten in Aschersleben: Dazu aufgerufen hatte die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Warnstreik der Ameos-Beschäftigten in Aschersleben
Warnstreik der Ameos-Beschäftigten in Aschersleben: Dazu aufgerufen hatte die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Streikende mit ver.di-Westen protestieren mit Schildern
Sie fordert für die rund 4.000 Beschäftigten der Klinikgruppe die Aufnahme von Tarifverhandlungen. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Streik der Ameos-Beschäftigen in Aschersleben
In Sachsen-Anhalt betreibt Ameos Standorte in Haldensleben, Aschersleben-Staßfurt, Schönebeck, und Bernburg. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
Streikende mit ver.di-Westen protestieren mit Schildern
Laut ver.di bekommen Krankenschwestern und Krankenpfleger hier durchschnittlich 500 Euro weniger als im regionalen Vergleich. Bildrechte: MDR/Tom Gräbe
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Becker zufolge sind die Ameos Kliniken die einzigen Akutkrankenhäuser in Sachsen-Anhalt, die keiner Tarifbindung unterlägen. Krankenschwestern und Krankenpfleger bekämen hier durchschnittlich 500 Euro weniger als im regionalen Vergleich.

Klinikleitung verwehrt Tarifverhandlungen

Ver.di hatte die Klinikleitungen im Juli zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Nach inzwischen vier Aufforderungen gebe es aber immer noch keine Reaktion von Arbeitgeberseite, sagte Becker. Das betreffe auch den Abschluss einer Notdienstvereinbarung, um während des Streiks Gefahren für die Patienten abzuwenden.

Notversorgung ist gewährleistet

Nach Angaben der Ameos-Geschäftsleitung ist die Notversorgung allerdings gewährleistet. Die Notfall-Aufnahmen seien selbstverständlich besetzt. Nur eine geringe Zahl an Operationen müsse auf Montag verschoben werden.

Die Kritik an den Löhnen und Gehältern wies die Geschäftsleitung zurück. Regionalgeschäftsführer Lars Timm sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man zahle nach geltenden Tarifen. Nach Entscheidungen über Umstrukturierungen werde Ameos im Januar auf ver.di zugehen.

Gebhardt: Verhalten von Ameos ist skandalös

Stefan Gebhardt, Landesvorsitzender der Linken, ist bei den Streikenden vor Ort. Er nennt das Verhalten von Ameos einen Skandal. Gebhardt kritisiert, dass Ameos Gespräche verweigert und fordert, dass sich die Klinik an den Verhandlungstisch begibt. Aus Sicht der Linken sollten Kliniken allgemein nicht privatisiert werden dürfen und auch Ameos sollte zurück in öffentliche Hand.

Stefan Gebhardt
Bildrechte: IMAGO

Was bei Ameos seit vielen Jahren passiert, ist, einfach schlichtweg ein Skandal. Hier werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter quasi ausgebeutet. Die Geschäftsführung macht jedes Jahr einen satten Millionen-Gewinn und spart das bei den Beschäftigten ein. Die Leute werden hier weit unter Tarif bezahlt. Das muss einfach schlicht beendet werden.

Stefan Gebhardt, Landesvorsitzender der Linken

Ameos beschäftigt in seinen Kliniken in Sachsen-Anhalt insgesamt rund 4.000 Mitarbeiter und gehört damit zu den größten Arbeitgebern im Land.

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Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 08. November 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2019, 10:39 Uhr

4 Kommentare

C.T. vor 6 Tagen

Das lässt sich so unterzeichnen und auf weitere Bereiche der Menschlichen Grundbedürfnisse ausdehen. Nahrung, Gesundheit, Kultur und Energie sollten nicht den Gesetzmäßigkeiten der Marktwirtschaft unterliegen. Zum Wohle der Allgemeinheit sollten in diesen Sparten nur Überschüsse zur Reinvestition - sprich Weiterentwicklung- erwirtschaftet werden.

Staatsversagen auf breiter Front vor 6 Tagen

Krankenhäuser sind Fabriken geworden und die müssen Gewinn erwirtschaften um die Gehälter der Bonzen zu bezahlen.
Das ist der Wohlfühlstaat Deutschland 2019, nur für wen frage ich mich.

Nordharzer vor 6 Tagen

Das Grundproblem ist, dass mit der Gesundheit von Menschen Geld verdient werden soll. Ich bin nicht dagegen, dass Gesundheitseinrichtungen wirtschaftlich arbeiten, aber sie gehören zur öffentlichen Daseinsvorsorge und wenn dort das Geld verdienen im Fokus steht, geht das auf Kosten der Qualität der Betreuung, auf Kosten der Beschäftigten und letztendlich auf Kosten der Patienten. Solange monetäre Zwänge im Vordergrund stehen, solange wird sich die Spirale weiter drehen.

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