Mal Probe gefahren Auf dem Rad zu Meister Eckhart in Thüringen

Meister Eckhart war einer der großen Theologen des Mittelalters. Und er lebte viele Jahre in Thüringen. In Erfurt wird sein Wirken derzeit bei den 3. Meister-Eckhart-Tagen in den Mittelpunkt gestellt, mit Workshops, Gottesdiensten und Lesungen. Erstmals gibt es eine geführte Radtour, um den Pilgerweg bekanntzumachen, auf dem man sich dem großen Mystiker auf zwei Rädern nähern kann. Mareike Wiemann ist schon mal ein Stück Probe gefahren.

Stationen am Meister Eckhart Radweg 4 min
Bildrechte: Harald Franke

Eine kleine Straßenkreuzung unweit des Örtchens Beringen bei Gotha: Ein Wegweiser zeigt Radfahrern hier an, wie sie nach Eisenach oder Erfurt kommen. In rund zwei Jahren werden noch ein paar Schilder hinzukommen – denn wir befinden uns auf der Route des Meister-Eckhardt-Radpilgerwegs. Für den Theologen Ralf Kühlwetter-Uhle ist der Weg eine Herzensangelegenheit. Er möchte die Lehren des Meisters vor allem den Thüringern näher bringen.

Sie helfen seines Erachtens dabei, innezuhalten, sich selber wahrzunehmen und sich "auch mal herauszunehmen aus dem allgemeinen Stress oder Zeitdruck", sagt er mit Verweis auf dessen Gedanken zum Freiwerden von sich selbst oder von der "Gottgeburt in der Seele".

Stationen am Meister Eckhart Radweg
Die Kirche von Hochheim. Dort ist einer der Startpunkte für die Radtour auf den Spuren des Mystikers. Bildrechte: Harald Franke

Die Route für den Weg, der zu Meister Eckhart führen soll, steht bereits. In einem Rundweg verbindet sie die zwei möglichen Geburtsorte: Hochheim bei Gotha und Tambach-Dietharz im Thüringer Wald. Weitere Stationen sind Wangenheim, wo heute das Meister-Eckhart-Haus steht, sowie das Dominikanerkloster in Erfurt, die erste Wirkungsstätte des Theologen. Entlang dieser Strecke laden immer wieder Orte zu Ruhepausen ein. Bis zum Ende des Sommers sollen Schrifttafeln entlang der Route Einblicke in Meister Eckharts Denken geben und auch Skulpturen aufgestellt werden. Zusammen mit Landschaftsarchitektin Andrea Ziegenrücker plant Kühlwetter-Uhle gerade die Standorte.

Immer mal anhalten!

Stationen am Meister Eckhart Radweg
Blick in die Kirche von Hochheim mit einem Taufstein aus der Zeit Meister Eckharts (1260-1328) Bildrechte: Harald Franke

Mit Rad und Fotoapparat erkunden sie die Strecke. Entlang riesiger Bäume geht es dem Örtchen Friedrichswerth entgegen. Ein verwunschener Schlossgarten würde hier eigentlich zum Verweilen einladen, doch die Tore sind verriegelt. Ob man hier nicht für Radpilger einen Zugang organisieren könnte, fragen sie sich und finden: "Das wäre eigentlich der richtige Ort zum Meditieren!"

Stationen am Meister Eckhart Radweg
Meister-Eckhart-Haus in Wangenheim Bildrechte: Harald Franke

Meditieren, zur Ruhe kommen, Anhalten. Genau das, so hofft Pfarrer Kühlwetter-Uhle, soll entlang des Weges geschehen: "Der Weg könnte anregen, nachzudenken, über die eigene Lebenssituation. Man soll ihn nicht sportlich so schnell wie möglich absolvieren, sondern im Gegenteil etwas langsamer fahren und die Stationen am Weg wahrnehmen."

Ralf Kühlwetter-Uhle hat aber schon einige Orte entdeckt, von denen er meint, dass spirituelle Kraft in ihnen steckt. Zum Beispiel eine Wiese direkt am Radweg, die von Pappeln umgeben ist. Landschaftsarchitektin Ziegenrücker ist angetan: "Das ist ja wie eine Kathedrale. Ein kühler, schattiger Ort. Wo sich auch mal mehrere Menschen versammeln könnten."

Rund 30 kleine Orte liegen an der Strecke

Stationen am Meister Eckhart Radweg
Mystischer Teich - Naturdenkmal bei Westhausen Bildrechte: Harald Franke

Draußen in der Natur sein, das ist für die Organisatoren ein wichtiger Punkt. Sie wollen aber auch, dass Kirchen entlang des Weges offen für die Radpilger sind. Hier liegt noch viel Arbeit vor dem Organisationsteam, rund 30 kleine Orte liegen an der Strecke. Alle Gemeinden müssen angesprochen und hoffentlich zum Mitmachen bewegt werden. Bereits geklärt sind dagegen schon die Übernachtungsmöglichkeiten: in Wangenheim, wo das Meister Eckhart Haus steht. Oder in Friedensstädt, wo es die Pilgerherberge gibt. Oder in Frankenroda, wo Pilger immer willkommen sind. Die Touren könnten sich die Leute individuelle zusammenstellen, sagt Kühlwetter-Uhle. Die Übernachtung koste nicht viel, zum Teil werd nur um eine Spende gebeten. Kühlwetter betont, dass man sich keineswegs nur an Christen oder gar Kirchenmitglieder richte. Auch Familien seien willkommen.

So lässt sich nicht nur zu den Meister-Eckhart-Tagen eine Reise auf den Spuren des einflussreichen Mystikers unternehmen.

Stationen am Meister Eckhart Radweg
Langsam ankommen ... Bildrechte: Harald Franke
Das Chorgestühl in der Predigerkirche in Erfurt, in dem der Theologe und Philosophe Meister Eckhart (1260-1327) Platz genommen haben soll
Das Chorgestühl in der Predigerkirche in Erfurt, in dem der Theologe und Philosophe Meister Eckhart (1260-1327) Platz genommen haben soll Bildrechte: dpa

Stichwort: Meister-Eckhart-Tage Die Meister-Eckhart-Tage erinnern zum dritten Mal an den mittelalterlichen Theologen und Philosophen. Am Donnerstag war die Schauspielerin Martina Gedeck zu Gast, die sich seit langem mit Texten des Mystikers beschäftigt.

Meister Eckhart (1260-1328) gilt als einer der Begründer der
deutschen Mystik. Rund zwei Jahrzehnte lebte er in Erfurt und leitete
von 1294 bis 1298 das dortige Predigerkloster. Aus dieser Zeit stammen seine Erfurter Reden. Mit seinen deutschen Predigten lehrte er die Menschen und war als Seelsorger für sie da. Der neue Radpilgerweg führt Der Weg führt zu authentischen Orten.

Unter den Kooperationspartnern der Meister Eckhart Tage sind die katholische Bistumsakademie "Katholisches Forum im Land Thüringen", das Tanztheater Erfurt und der Dominikanerkonvent Hamburg.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. Juni 2019 | 08:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Juni 2019, 17:46 Uhr