Treuhand - Ein deutsches Drama

Fragen und Antworten zur Treuhand

Arbeiter aus dem Stahlwerk Henningsdorf bei Berlin. Spruch: -Schluss mit der Verkohlerei-, Treuhand, wie treu handelst du, 01.01.1992, Berlin
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Abwicklung von Betrieben

Die Chefs

Köpfe Treuhandmanager

Die Berliner Treuhandanstalt galt damals als die größte Holding der Welt. Ihre mächtigen Chefs und Vorstandsmitglieder stammten überwiegend aus dem Westen.

V.r.n.l.: Ministerpräsident Hans Modrow (DDR) im Gespräch mit Innenminister Lothar Ahrendt (DDR) und Peter Moreth (DDR/Minister für örtliche Organe) während einer Sitzung des Runden Tisches in Ost-Berlin, 1990.
Peter Moreth, Mitglied der Blockpartei LDPD und "Minister für örtliche Organe" in der Regierung Modrow, war der erste Treuhandchef. Am 1. März 1990 wurde er zum Vorsitzenden des Direktoriums der Treuhandanstalt der DDR berufen. Er sah seine Aufgabe vor allem darin, das Volkseigentum für die DDR-Bürger zu bewahren. Doch schon Mitte Juli wurde er wieder abberufen - die Aufgabe der Treuhand hatte sich verändert. Jetzt stand die Privatisierung der Betriebe und Kombinate im Vordergrund. Peter Moreth war bis zu seinem Tod 2014 als Unternehmensberater in Berlin tätig. Das einzige Bild, das es von ihm gibt, zeigt ihn gemeinsam mit Innenminister Lothar Ahrendt und Ministerpräsident Hans Modrow (v.l.n.r.). Bildrechte: imago/sepp spiegl
V.r.n.l.: Ministerpräsident Hans Modrow (DDR) im Gespräch mit Innenminister Lothar Ahrendt (DDR) und Peter Moreth (DDR/Minister für örtliche Organe) während einer Sitzung des Runden Tisches in Ost-Berlin, 1990.
Peter Moreth, Mitglied der Blockpartei LDPD und "Minister für örtliche Organe" in der Regierung Modrow, war der erste Treuhandchef. Am 1. März 1990 wurde er zum Vorsitzenden des Direktoriums der Treuhandanstalt der DDR berufen. Er sah seine Aufgabe vor allem darin, das Volkseigentum für die DDR-Bürger zu bewahren. Doch schon Mitte Juli wurde er wieder abberufen - die Aufgabe der Treuhand hatte sich verändert. Jetzt stand die Privatisierung der Betriebe und Kombinate im Vordergrund. Peter Moreth war bis zu seinem Tod 2014 als Unternehmensberater in Berlin tätig. Das einzige Bild, das es von ihm gibt, zeigt ihn gemeinsam mit Innenminister Lothar Ahrendt und Ministerpräsident Hans Modrow (v.l.n.r.). Bildrechte: imago/sepp spiegl
1987, Reiner Maria Gohlke
Der Manager Rainer Maria Gohlke war der erste westdeutsche Treuhandchef. Der ehemalige Präsident der Deutschen Bundesbahn trat am 16. Juli 1990 sein Amt an, doch einen guten Monat später kapitulierte er bereits entnervt. "Ich wollte nicht jede halbe Stunde irgendeine Milliarde unterschreiben und dann zum nächsten Tagesordnungspunkt übergehen", erklärte Gohlke später einmal. Bildrechte: IMAGO
Detlev Karsten Rohwedder, 1990
"Privatisierung ist die wirksamste Sanierung", war zunächst das Motto des einstigen Hoesch-Managers und Sozialdemokraten Detlev Karsten Rohwedder, der sein Amt als Treuhandchef im Juli 1990 antrat. Später sagte er, dass mehr Betriebe in Gemeinschaftseigentum überführt werden sollten, statt sie zu privatisieren. Die wütende Kritik vieler Ostdeutscher an der Arbeit der Treuhand nannte er "berechtigt". Am 1. April 1991 wurde Detlev Karsten Rohwedder in seinem Wohnhaus erschossen. Die Täter sind bis heute unbekannt. Bildrechte: IMAGO
Birgit Breuel entfernt am 30.12.1994 eigenhändig mit einem Schraubenzieher das Firmenschild am Eingang der Treuhandanstalt in Berlin
Nach der Ermordung Rohwedders übernahm die einstige niedersächsische Finanzministerin Birgit Breuel die Geschicke der Treuhand. Schnell privatisieren, entschlossen sanieren und behutsam stilllegen, lautete Breuels Devise. Am 30. Dezember 1994 schraubte Birgit Breuel eigenhändig das Treuhand-Schild ab - die Anstalt wurde aufgelöst. Breuel meinte später, die Treuhand sei - trotz einiger bedauerlicher Fehler - durchaus eine Erfolgsgeschichte gewesen. Bildrechte: dpa
Günter Rexrodt (Deutschland/CDU)
Der FDP-Politiker Günter Rexrodt wurde im September 2001 in den Vorstand der Treuhand berufen. Er war unter anderem für die Privatisierung der DDR-Außenhandelsbetriebe zuständig. 1993 der Karrieresprung - Rexrodt wurde zum Bundeswirtschaftsminister berufen. Fünf Jahre bekleidete er das Amt. Günter Rexrodt starb 2004. Bildrechte: imago/sepp spiegl
Treuhand-Direktor Klaus Schucht, 1994
Er war einer der mächtigsten und umstrittensten Manager der Treuhand - Klaus Schucht (SPD). Von 1991 an saß er im Vorstand und war dort für die Bereiche Bergbau, Energie und Chemie zuständig. Große Empörung erntete Schucht für seine Aussage, die Buna-Werke in Schkopau seien "nur ein Furz in der Geschichte der Chemie" - man müsse sie also nicht um jeden Preis retten. Nach dem Ende der Treuhand wechselte Schucht in die Politik und wurde unter anderem Wirtschaftsminister in Sachsen-Anhalt. Klaus Schucht starb 2001.
(Über dieses Thema berichtete der MDR im TV auch in "Wem gehört der Osten" | 10.06.2019 | 22:00 Uhr
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Ostbetriebe in Westhänden Von der Treuhand verteilt

Nach dem Ende der DDR sollten die einstmals volkseigenen Betriebe und Kombinate privatisiert werden. Sofern sie nicht abgewickelt wurden, gingen sie in westdeutschen Besitz über. Ostdeutsche waren kaum zum Zug gekommen.

VEB Petrolchemisches Kombinat Schwedt, Blick auf die Anlagen des Erdoelverarbeitungswerkes
Petrolchemisches Kombinat Schwedt Das PCK Schwedt war eines der größten Kombinate der DDR. Es wurde im Juni 1990 aufgelöst und von der Treuhandanstalt an die deutschen Mineralölgesellschaften VEBA und DEA sowie einem italienisch-französischem Konsortium aus Agip, elf und Total verkauft. 2011 erwarb der staatliche russische Mineralölkonzern Rosneft die Mehrheit der Anteile. Bildrechte: IMAGO
Blick auf die Neptunwerft in Rostock Warnemünde
VEB Schiffswerft Neptun Nach dem Ende der DDR übernahm der Bremer "Vulkan"-Verbund die traditionsreiche Werft in Rostock, die zu ihren Glanzzeiten 7.000 Menschen beschäftigte. 1991 musste die Neptun Werft auf Grund von EU-Beschränkungen den Schiffsneubau einstellen. 1997 wurde die Werft von der Meyer Werft aus Papenburg übernommen. Bildrechte: IMAGO
PIKO Chef Dr. Rene F. Wilfer, mit seiner markanten piko-Brille, posiert mit zwei Modell-Triebwagen seiner Firma.
VEB PIKO Sonneberg Der VEB Piko, Hersteller von Modelleisenbahnen und bis 1990 Teil des VEB Kombinat Spielwaren Sonneberg, wurde 1990 vom bayerischen Unternehmer Rene F. Wilfer gekauft; Wilfert sanierte das Werk und führte es erfolgreich in die Marktwirtschaft. Bildrechte: IMAGO
VEB Petrolchemisches Kombinat Schwedt, Blick auf die Anlagen des Erdoelverarbeitungswerkes
Petrolchemisches Kombinat Schwedt Das PCK Schwedt war eines der größten Kombinate der DDR. Es wurde im Juni 1990 aufgelöst und von der Treuhandanstalt an die deutschen Mineralölgesellschaften VEBA und DEA sowie einem italienisch-französischem Konsortium aus Agip, elf und Total verkauft. 2011 erwarb der staatliche russische Mineralölkonzern Rosneft die Mehrheit der Anteile. Bildrechte: IMAGO
Waggons in der Montagehalle des VEB Waggonbau Görlitz
Waggonbau Görlitz Das Unternehmen wurde 1990 aus dem VEB Kombinat Schienenfahrzeugbau herausgenommen und in den folgenden Jahren von diversen internationalen Firmen gekauft und weiterverkauft; 1998 erwarb dann der kanadische Konzern Bombardier den Görlitzer Waggonbau. Bildrechte: IMAGO
EDV-Anlage auf dem Messestand von Robotron
VEB Kombinat Robotron "Hast du einen schlauen Sohn, so schicke ihn zu Robotron", dichtete einst der Volksmund über das Dresdner Elektronik-Kombinat. Robotron stellte EDV-Anlagen, Schreibmaschinen, Mikrorechnersysteme und in den 1980er-Jahren Computer und Drucker (auch für das westliche Ausland) her. Robotron (ein aus den Wörtern Elektronik und Roboter zusammengesetztes Kunstwort) bestand aus 21 Betrieben und hatte insgesamt 68.000 Mitarbeiter. 1990 wurde das Kombinat aufgelöst, die einstigen Kombinatsbetriebe unterstanden fortan der Treuhand, die viele von ihnen abwickelte. Neue Eigentümer waren unter anderem IBM, Siemens-Nixdorf und SAP. Bildrechte: IMAGO
In der Diamant Fahrradwerke GmbH in Hartmannsdorf bei Chemnitz montieren Christine Landgraf (vorn) und Martina Brüggemann Citybikes "designo" mit Alurahmen.
VEB Fahrradwerke Elite Diamant Diamant-Fahrräder konnten auch zu DDR-Zeiten mit der internationalen Konkurrenz mithalten. Sämtliche Radrennfahrer des Landes fuhren auf den Rädern aus Karl-Marx-Stadt, "Täve" Schur und Bernhard Eckstein auf Diamant-Fahrrädern gar zu Weltmeistertiteln. 1991 wurde Diamant privatisiert, der Produktionsumfang eingeschränkt und die Belegschaft stark verringert. Ein Jahr später übernahm die schweizerische Villiger Gruppe die Fahrradwerke. Seit 1997 wird im benachbarten Hartmannsdorf produziert. Seit 2003 ist Diamant Teil der amerikanischen Trek Bicycle Corporation. Bildrechte: dpa
Unternehmenssitz der Mitteldeutschen Fahrradwerke AG (MIFA) in Sangerhausen (2015)
VEB Mifa Fahrradwerke Sangerhausen 1990 wurden die traditionsreichen Fahrradwerke von der Treuhand privatisiert und 1996 von zwei Unternehmern aus Sangerhausen erworben und an die Börse gebracht. 2011 erwarb Carsten Maschmeyer 33 Prozent der Anteile an den Fahrradwerken, was ihm zum größten Einzelinvestor machte. 2014 kaufte der einstige Krupp-Manager und Unternehmer Heinrich von Nathusius die seit etlichen Jahren rote Zahlen schreibenden Fahrradwerke. Drei Jahre später folgte die Insolvenz. Seit Mitte 2017 führt der Coburger Manager Stefan Zubcic das Unternehmen als Sachsenring Bike Manufaktur weiter. Bildrechte: IMAGO
Ein Arbeiter an einem Maschinensystem mit Palettenspeicher des Typs FMS P 500 im Stammbetrieb des Werkzeugmaschinenkombinates "Fritz Heckert" Karl-Marx-Stadt, aufgenommen im April 1989.
UNION Werkzeugmaschinen GmbH Chemnitz Das traditionsreiche Chemnitzer Maschinenwerk gehörte bis 1990 zum Kombinat Fritz Heckert Karl-Marx-Stadt. 1990 folgte eine erste, misslungene Privatisierung. 1996 erwarben schließlich die Union-Mitarbeiter ihr Werk als Mitarbeitergesellschaft. 2011 kaufte die Siegener Herkules-Group den Chemnitzer Betrieb. Bildrechte: dpa
Der Kohle-Zug-Betrieb in einer Grube des Tagebaus Cottbus-Nord.
VEB Kombinat TAKRAF TAKRAF steht für "Tagebau-Ausrüstungen, Krane und Förderanlagen". Zu dem riesigen Kombinat mit Stammsitz in Leipzig gehörten einstmals fast alle Volkseigenen Betriebe dieser Branche, ebenso Zulieferbetriebe, Forschungseinrichtungen und Projektierungsfirmen. Exportiert wurden die TAKRAF-Anlagen in die ganze Welt. Am 1. Mai 1990 wurde das Kombinat von der Treuhand in die TAKRAF Schwermaschinenbau AG umgewandelt. Diverse bundesdeutsche und internationale Konzerne erwarben nach und nach einzelne Betriebe oder Teile des einstigen Kombinats. Die einstigen Betriebsteile in Leipzig und Lauchhammer wurden zur TAKRAF GmbH zusammengefügt und gehören seit 2007 der Tenova, einer Tochtergesellschaft der internationalen Techint-Gruppe. Bildrechte: dpa
Ein Arbeiter montiert in dem Magdeburger Unternehmen SKET Maschinen und Anlagenbau GmbH 1997 eine Pendelschere.
VEB Schwermaschinenbaukombinat Ernst Thälmann (SKET) Zum SKET mit Stammsitz in Magdeburg gehörten 1989 18 Betriebe mit insgesamt rund 20.000 Beschäftigten. 1990 wurden acht Kombinatsbetriebe privatisiert und in der SKET Maschinen- und Anlagenbau AG zusammengefasst. Mitte der 1990er-Jahre erwarben die bundesdeutschen Investoren Aloys Wobben und Heinz Buse SKET. Sechs Jahre später musste das Unternehmen Gesamtvollstreckung beantragen. Aus der Konkursmasse entstand 1997 die SKET Maschinen- und Anlagenbau GmbH. Eigentümer ist die Enercon GmbH mit Sitz in Aurich (Ostfriesland). Bildrechte: dpa
Eisenhüttenkombinat Ost - Blick über die Wohnblocks auf das EKO vor 1989.
VEB Eisenhüttenkombinat Ost Das Stahlwerk mit angeschlossener Stadt beschäftigte in den 1980er-Jahren knapp 16.000 Menschen und war das größte der DDR. In den Jahren nach 1990 wurden knapp 14.000 Mitarbeiter entlassen. 1994 erwarb der belgische Konzern Cockerill-Sambre das Stahlwerk. 2002 übernahm der transnationale Arcelor-Konzern die Hütte. Seit 2006 heißt das Werk ArcelorMittal Eisenhüttenstadt GmbH. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
LKW der Firma Deutrans
DEUTRANS Die internationale Spedition der DDR war mit ihren Lkw (vorwiegend Fahrzeuge von Volvo, Mercedes, MAN, Iveco und Ford) auf allen Straßen Europas und Asiens unterwegs. "Lackschuhkutscher" wurden die durchaus privilegierten Fahrer in ihren West-Lkw genannt. 1990 übernahm die bundesdeutsche Spedition Kühne und Nagel die durchaus profitabel arbeitende Spedition mit Sitz in Ostberlin. Bildrechte: IMAGO
Blick vom Breitling auf ein Schiff im Dock der Warnowwerft in Rostock.
VEB Warnow-Werft Warnemünde Nach dem Ende der DDR und der Privatisierung durch die Treuhand wurde die einstmals größte Werft der DDR von diversen westdeutschen oder internationalen Konzernen oder Holdings gekauft und wiederverkauft. 2009 erwarb der russische Investor Witali Jussufow für 40 Millionen Euro die Vermögenswerte der Warnow-Werft. Bildrechte: dpa
Verkehrsszene mit Werbung für VEB- Polygraph an einer Fußgängerbrücke.
VEB Kombinat Polygraph Werner Lamberz Leipzig Insgesamt acht Betriebe mit etwa 40 Betriebsteilen waren im Kombinat Polygraph zusammengefasst, das Druckmaschinen und eine Vielzahl anderer Maschinen für die Papierver- und -bearbeitung herstellte. 1990 wurde das Kombinat aufgelöst, die einzelnen Betriebe teils abgewickelt oder von bundesdeutschen Unternehmen übernommen. Den einstigen Leipziger Stammbetrieb erwarb die Heidelberger Druckmaschinen AG. Die Plamag Maschinenbau Plauen wurde von der MAN Roland Gruppe gekauft und Planeta Radebeul wurde Teil der Koenig & Bauer AG Würzburg.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Wem gehört der Osten | 10.06.2019 | 22:00 Uhr.
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