Selbst malern Neue Farbe braucht die Wand – doch welche ist die richtige?

Welche Farbe wofür?

Dispersionsfarben
Dispersionsfarben sind die am häufigsten verwendeten Farben für Wandanstriche. Dispersion ist vom lateinischen "dispergere" abgeleitet und bedeutet "verteilen". Dispersionsfarben bestehen aus einer Emulsion aus Binde- und Lösungsmittel, den für die Farbgebung zuständigen Komponenten und diversen Zusatzstoffen. Die gängigen Dispersionsfarben sind Kunststoffdispersionsfarben, deren Bindemittel ein Gemisch aus Wasser mit darin verteilten Kunststoffteilchen, meist aus Acrylharz, ist.

Bei Latexfarben ist die Kunststoffdispersion aus Polvinylacetat. Die Emulsionen werden aus Erdöl hergestellt, deshalb sind sie organischen Ursprungs. Weitere Bestandteile von Dispersionsfarben helfen, diesen positive Eigenschaften bei Haltbarkeit, Verarbeitung und Aussehen zu verleihen. Dazu gehören z.B. Weichmacher, Konservierungsstoffe, Lösungsmittel und sogenannte Biozide, die Schimmel- und Bakterienbildung in der Farbe verhindern. Dispersionsfarben sind wasserverdünnbar, aber wenig wasserdampfdurchlässig, geruchsarm, haften gut, trocknen schnell, lassen sich mehrfach überstreichen und sind kostengünstig.

Mineralfarben
Unter diesem Begriff werden Silikatfarben, Kalkfarben oder auch Lehmfarben zusammengefasst. Das sind Farben, bei denen mineralische Bindemittel zum Einsatz kommen. Mineralfarben sind umweltfreundlich und schadstofffrei, beugen Schimmelbildung vor und sind also besonders für Allergiker geeignet. Allerdings eignet sich Kalkfarbe mit ihrer abfärbenden Oberfläche und porösen Struktur nicht für Räume, deren Wände hohen Belastungen ausgesetzt sind, also z.B. Flur oder Kinderzimmer.

Grundierungsfarben
Soll eine bloße Wand gestrichen oder eine dunkler tapezierte Fläche überstrichen werden, empfiehlt sich eine Grundierung. Bei der Grundierungsfarbe gibt es verschiedene Varianten, je nachdem, was mit dem Anstrich erreicht werden soll. Das Auftragen von Sperrgrund verhindert ein Durchscheinen von Tapete oder Flecken, Tiefgrund das Aufsaugen weiterer Farbschichten und Haftgrund bereitet besonders glatte Oberflächen so vor, dass die nächste Farbschicht nicht abblättert. Einige Grundierungen können auch kleine Unebenheiten und Risse in Wänden ausgleichen.

Kriterien für den Farbkauf

Die Rückansicht einer jungen Frau die eine Wand malert.
Bildrechte: imago images/Westend61

Deckkraft
Das für viele wohl wichtigste Kriterium beim Farbkauf ist die Deckkraft, denn von ihr hängt ab, wie oft eine Wand gestrichen werden muss, damit die Farbe wie gewünscht aussieht. Mehrfaches Streichen kostet Zeit und Geld. Die Deckkraft wird in vier Stufen ausgewiesen, wobei eins für die höchste Deckkraft steht und die Kategorie der Wahl beim Kauf sein sollte. Ab Klasse drei braucht man in der Regel mindestens zwei Anstriche.

Die Deckkraft der Farbe hängt aber auch vom Untergrund ab, der gestrichen wird. Ist der dunkel oder saugt viel Farbe auf, kann auch bei höchster Deckkraftstufe ein zweiter Farbauftrag notwendig sein. Eine höhere Dreckkraft kann auch durch die Zugabe von Füllstoffen erreicht werden.

Füllstoffe
Füllstoffe werden zugesetzt, um der Farbe Volumen zu geben, sie anzudicken und so ihre Deckkraft zu erhöhen. Verwendet werden dazu meist Kalk, Kreide oder Talk. Je geringer der Anteil der Füllstoffe, desto hochwertiger ist die Farbe. Füllstoffe beeinflussen auch die Nassabriebbeständigkeit, also wie strapazierfähig die Farbe beim Abwischen von Flecken ist.

Nassabriebsbeständigkeit
Egal ob weiß oder farbig, jede Wand bekommt mal etwas Schmutz ab. Ob der sich dann auch ohne Rückstände und Schäden für die Farbschicht entfernen lässt, gibt die in fünf Klassen eingeteilte, sogenannte Nassabriebsbeständigkeit an. Hier gilt: Je geringer die Zahl, desto strapazierfähiger die Farbschicht. Farben ab der Klasse eins und zwei gelten als "scheuerbeständig". Bei Klasse drei wird von „waschbeständig“ gesprochen. Farben dieser Klasse sind zum Beispiel für Wohnräume gut geeignet.

Glanz- und Weißgrad
Für Wandfarben gibt es vier Glanzstufen: glänzend, mittlerer Glanz, matt und stumpfmatt. Der Glanzgrad bestimmt die Optik der getrockneten Farbe, ist also Geschmackssache. Beachten bei der Entscheidung für einen Grad sollte man allerdings, dass glänzende Farbschichten auch leichter zu reinigen sind. Sie empfehlen sich also für Küchen, Flure und Kinderzimmer.

Am Weißgrad erkennt man gut die Qualitätsunterschiede von Farben. Billige Farben enthalten weniger Weißpigmente und mehr Füllstoffe und wirken im Ergebnis gräulich. Bei höherwertigen Farben sind es weniger Füllstoffe und ein größerer Anteil an Weißpigmenten. Bei weißer Wandfarbe sind die in der Regel unter der Bezeichnung Titandioxide zu finden.

Bindemittel
Bindemittel haben einen Anteil zwischen zehn und 30 Prozent in der Farbe und dienen dazu, diese am bestrichenen Untergrund zu verankern und die Pigmente miteinander zu verbinden. Außerdem beeinflussen sie Wasserdampfdurchlässigkeit, Abriebfestigkeit und Leuchtkraft. Es gibt einerseits organische Bindemittel, die schimmelanfällig sind und deshalb die Beigabe weiterer Stoffe zur Farbe erfordern (z.B. Biozide). Andererseits kommen synthetische Bindemittel, z.B. Kunstharz, zum Einsatz, die für Allergiker problematisch sein können.

Konservierungsmittel
Schimmel und Bakterien befallen auch Farben. Das macht Konservierungsstoffe notwendig. Diese sind vor allem in günstigeren Dispersionsfarben in höherem Anteil enthalten, da diese sonst schon im Eimer verderben würden. Seit Januar 2019 gelten für "emissionsfreie Innenwandfarben", die das Umweltzeichen Blauer Engel tragen wollen, neue Kriterien, die u.a. besagen, dass die Hersteller keine Konservierungsmittel einsetzen dürfen.

Kosten

Bei Wandfarbe gilt: Wer beim Kauf spart, zahlt drauf. Billige Farben muss man mehrmals streichen, da sie nicht gut decken, ihr Nassabrieb lässt zu wünschen übrig. Bei einer guten Farbe zahlt man für den Quadratmeter Anstrich zwischen 55 und 85 Cent. Wie viele Quadratmeter mit dem Inhalt des Gebindes gestrichen werden können, steht auf der Verpackung. Auch bei den verschiedenen Markenherstellern im höherpreisigen Segment lohnt beim Kauf ein genauer Blick. Oft gibt es bei gleichen Eckwerten der Farbe preislich gravierende Unterschiede, die sich nicht begründen lassen. Es lohnt hier, z.B. eine markenunabhängige Fachkraft im Baumarkt nach Erfahrungswerten zu fragen.

Wandfarbe lagern und entsorgen

Farbeimer mit weißer und schwarzer Farbe stehen auf ausgelegtem Zeitungspapier.
Bildrechte: imago stock&people

Generell sollten Farbeimer - egal ob angebrochen oder verschlossen - kühl aber frostfrei und trocken gelagert werden. Die Haltbarkeit von Farben ist auf der Verpackung vermerkt. Dispersionsfarben, auch die ohne Konservierungsstoffe, sind zwischen 12 und 24 Monate haltbar. Es empfiehlt sich nach der Renovierung Farbreste aufzubewahren, denn kleine Fehlstellen lassen sich dann rasch ausbessern.

Bei der Entsorgung gelten Farben, egal wie umweltfreundlich hergestellt, als Sondermüll und müssen in Werkstoffhöfen oder entsprechenden Sammelstellen abgegeben werden. Lediglich komplett eingetrocknete Wandfarbe darf über den normalen Hausmüll entsorgt werden.

Tipps für Allergiker

Jeder Allergiker reagiert auf andere Stoffe. Es gilt also auch beim Farbenkauf genau auf die Inhaltsstoffe zu schauen. In jedem Fall sollten Allergiker zu konservierungs- und lösungsmittelfreien Farben greifen. Ist der pH-Wert einer Farbe sehr hoch, wie zum Beispiel bei Kalk- oder Silikatfarben, werden Bakterien und Sporen von Schimmel gut abgetötet. Zu jeder Farbe gibt es ein sogenanntes Sicherheitsdatenblatt, das beim Händler vorliegen muss. Darin finden sich alle Inhaltsstoffe. Wer diese nicht kennt oder nicht zuordnen kann, lässt sie sich am besten von einem herstellerunabhängigen Berater erklären.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 29. Januar 2020 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2020, 00:10 Uhr