Renten Kluft zwischen Neu- und Altrenten im Osten wächst

Wer jetzt frisch in Rente geht, bekommt in den neuen Bundesländern durchschnittlich 847 Euro netto. Wer dagegen schon Ruheständler ist, der erhält im Schnitt 111 Euro mehr. Die Kluft zwischen Neu- und Altrenten wird immer größer, das zeigt eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag, die MDR AKTUELL vorliegt.

von Andre Seifert, MDR AKTUELL

Eine Rentner sitzt am Tisch und betrachtet traurig sein Sparschwein.
Männer aus den neuen Bundesländern, die jetzt in Rente gehen, bekommen deutlich weniger Rente als Alt-Ruheständler. Bildrechte: IMAGO

Die neuen Rentenverlierer sind vor allem Männer im Osten Deutschlands. Hier stürzen die Neurenten seit Jahren ab. Das belegen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung, die die Partei Die Linke abgefragt hat.

Ein ostdeutscher Mann, der jetzt in Rente geht, bekommt demnach 17 Prozent weniger Nettorente als einer, der schon im Ruhestand ist. Eine Frau erhält fast neun Prozent weniger.

Neurenten und Rentenbestand in Deutschland
Gebiet/ Wohnort Rentenzugang 2018 Rentenbestand am 31.12.2018
Bundesrepublik 769 Euro 829 Euro
Alte Bundesländer 750 Euro 797 Euro
Neue Bundesländer 847 Euro 958 Euro
Neurenten und Rentenbestand in den neuen Bundesländern
  Rentenzugang 2018 Rentenbestand am 31.12.2018
insgesamt 847 Euro 958 Euro
männlich 857 Euro 1.006 Euro
weiblich 835 Euro 907 Euro

Linke fürchtet Einschränkungen im Alter

Gesine Lötzsch von der Partei Die Linke spricht von einer dramatischen Entwicklung:

Das ist zum einen natürlich eine Demütigung, nach einem - in der Regel - doch sehr langen Berufsleben.

Gesine Lötzsch Die Linke

Außerdem würden die Lebensunterhaltungskosten immer höher, betont Lötzsch: "Also die Mieten steigen. Das ist ja ein Riesenthema, vor allem in den Städten. Aber auch die Kosten für Strom steigen. Und das braucht ja nun jeder."

Daher müssten sich Menschen im Alter extrem einschränken, sagt Lötzsch weiter. Diese Entwicklung hält sie für nicht akzeptabel.

Nachwendezeit und Rentenabschläge

Dass der Osten besonders betroffen ist, liege vor allem an der Zeit nach der Wende, sagen Experten wie Joachim Ragnitz vom Ifo Institut im Gespräch mit dem MDR. Damals seien Viele in Arbeitslosigkeit geschlittert und hätten nur sehr geringe Rentenansprüche erworben. Das wirke sich nun aus.

Doch es gibt noch einen zweiten Grund: Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung nehmen auch immer mehr Neurentner Abschläge in Kauf, um früher in Rente gehen zu können.

SPD setzt auf Grundrente

Vor allem Neurentner im Osten seien von Altersarmut bedroht, warnt die Partei Die Linke. Um sie davor zu schützen, setzt die Leipziger Bundestagsabgeordnete Daniela Kolbe von der SPD auf die Grundrente:

"Wir streiten uns seit vielen Monaten darum, dass wir endlich was für diese Leute tun. Eben eine Grundrente einführen, damit sich diejenigen, die Jahrzehnte in die Rente eingezahlt haben, nicht am Ende ihres Lebens veralbert fühlen, weil sie trotz ihrer Beiträge auf Grundsicherungsniveau landen, oder knapp darüber."

Tatsächlich könnte sich die Grundrente positiv auf Ostrenten auswirken, auch das zeigen die Zahlen. Zurzeit liegt die von der SPD geplante Grundrente nämlich rund 30 Euro über dem, was ein frisch gebackener Ostrentner momentan im Schnitt erhalten würde.

Wie gesagt, ein frisch gebackener Rentner. Ein langjähriger Ruheständler liegt auch im Osten Deutschlands zurzeit deutlich über der Grundrente. In der kommenden Woche soll der Gesetzentwurf zur Grundrente im Kabinett beschlossen werden

Problem nicht nur in neuen Bundesländern

Das Problem ist übrigens kein rein ostdeutsches. Auch in Westdeutschland erhalten Neurentner weniger aus der gesetzlichen Rentenversicherung als Altrentner.

Im Unterschied zum Ostrentner sind Westrentner allerdings viel häufiger noch über andere Rentensysteme abgesichert und daher weniger von Altersarmut bedroht. 

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Februar 2020 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2020, 22:25 Uhr