Fahrplan zum Kohleausstieg Vorzeitige Kraftwerksschließungen und Milliarden-Entschädigungen

Der Fahrplan von Bund und Ländern zum Kohleausstieg sieht vorzeitige Kraftwerksschließungen und Milliarden-Entschädigungen für die Betreiber vor. Mit Jänschwalde geht 2028 das drittgrößte Kraftwerk Deutschlands vom Netz. Ein Jahr später folgen die ersten beiden Blöcke im sächsischen Boxberg. Schkopau in Sachsen-Anhalt läuft noch bis 2034. Das umstrittene Steinkohlekraftwerk Datteln in NRW wird trotzdem gebaut.

Wasserdampf steigt aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) und spiegelt sich dabei in einem Teich der Peitzer Karpfenfischer wieder.
Das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde soll 2028 vom Netz gehen. Bildrechte: dpa

Der Bund und die vier Kohle-Länder haben sich auf einen gemeinsamen Fahrplan zum Kohleausstieg geeinigt. Dieser sieht unter anderem vorzeitige Kraftwerksschließungen und milliardenschwere Entschädigungen für die Betreiberkonzerne vor.

Jänschwalde bis 2028 vom Netz

Wie die Bundesregierung am Donnerstag mitteilte, soll das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg bis Ende 2028 vom Netz gehen. Nach Angaben seines Betreibers Leag ist Jänschwalde derzeit das drittgrößte Kraftwerk Deutschlands.

Bis Ende 2029 sollen die ersten beiden Blöcke des Kohlekraftwerks Boxberg in Sachsen folgen. Beim Kraftwerk Lippendorf südlich von Leipzig ist das Ausstiegsdatum auf Ende 2035 festgelegt. Der Rest von Boxberg soll bis Ende 2038 folgen.

Schkopau bis 2034

Dampfwolken ziehen 2017 vom Kraftwerk Schkopau in den Abendhimmel.
Das Kraftwerk Schkopau läuft noch bis 2034. Bildrechte: dpa

Das Braunkohlekraftwerk Schkopau in Sachsen-Anhalt soll noch bis zum Jahr 2034 laufen. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff von der CDU hatte befürchtet, dass Schkopau zugunsten des geplanten Kraftwerkes Datteln in Nordrhein-Westfalen bereits 2026 vom Netz gehen sollte. Dieses Szenario ist nun vom Tisch.

Umstrittenes Steinkohlekraftwerk kommt

Allerdings soll das umstrittene Steinkohlekraftwerk Datteln 4 des Betreibers Uniper trotzdem ans Netz gehen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sagte dazu, die Politik werde die Inbetriebnahme nicht verhindern. Dies habe auch mit der komplexen Systematik von Entschädigungsleistungen zu tun. Vor allem Umweltverbände hatten die Inbetriebnahme eines neuen Steinkohlekraftwerks scharf kritisiert.

4,35 Milliarden für Kraftwerksbetreiber

Für das vorzeitige Abschalten ihrer Kohlekraftwerke erhalten die Betreiber laut Finanzminister Olaf Scholz Entschädigungen von insgesamt 4,35 Milliarden Euro. Betreiber von westdeutschen Kraftwerke bekommen nach Angaben des SPD-Politikers 2,6 Milliarden Euro. Betreiber für Anlagen im Osten Deutschlands sollen demnach 1,75 Milliarden erhalten. Ein großer Anteil der Entschädigungen dürfte an den Energiekonzern RWE gehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Januar 2020 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2020, 12:09 Uhr