Autogipfel im Kanzleramt IG Metall und Wirtschaft fordern Hilfen für Auto-Branche

Die Autobranche ist der wichtigste Wirtschaftszweig in Deutschland. Doch die Branche steht vor einem grundlegenden Wandel – weg von Benzinern und Dieseln hin zu klimafreundlicheren Antrieben. Wie können der Umstieg auf alternative Antriebe bewältigt und gleichzeitig Jobs gesichert werden?

Beim schwierigen Umbruch in der Autoindustrie mit ihren hunderttausenden Beschäftigten sollen auch mit Hilfe des Staates Jobs gesichert werden. Bei den geplanten Maßnahmen geht es darum, den Zugang zu Kurzarbeit zu erleichtern sowie Beschäftigte beim Wandel vom Verbrennungsmotor zum Elektromotor besser zu qualifizieren.

Politik, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände wollen dabei an einem Strang ziehen, wie nach einem Spitzentreffen in Berlin deutlich wurde. Schon kurz vor Beginn des Treffens hatte Arbeitsminister Hubertus Heil angekündigt, die Regierung werde den Strukturwandel in der Branche "beschäftigungspolitisch begleiten". Die Beschäftigten von heute müssten die Chance bekommen, die Arbeit von morgen zu machen, sagte Heil im Bundestag.

Bei dem Treffen unter Leitung von Kanzleramtsminister Helge Braun wurde unter anderem über eine Verlängerung des Kurzarbeitergeldes gesprochen. Konkrete Entscheidungen fielen dabei noch nicht; nach Angaben eines Regierungssprechers sollten "in erster Linie weitere Arbeitsprozesse aufgesetzt werden".

Umweltverbände sind nicht geladen

Zum Autogipfel hatte das Kanzleramt Vertreter der Autoindustrie und Gewerkschaften, von Arbeitgeberverbänden und der Bundesländer mit Autoindustriestandorten eingeladen. Aus der Bundespolitik sollten Arbeitsminister Heil, Verkehrsminister Andreas Scheuer, Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Bildungsministerin Anja Karliczek teilnehmen. Umweltministerin Svenja Schulze war ebenso wie Vertreter von Umweltorganisationen nicht eingeladen worden.

IG Metall-Chef Jörg Hofmann forderte nach dem Treffen schnelle Schritte der Politik, um dem Umbau der Branche zu erleichtern. Er erwarte "in Kürze konkrete Ergebnisse" etwa zur Qualifizierung von Mitarbeitern und zur Erleichterung von Kurzarbeit.

Man habe darüber gesprochen, wie man die Mobilitätswende schaffen könne, «ohne, dass Beschäftigte unter die Räder kommen», und ohne «industrielle Wüsten» in Regionen, die stark vom Verbrennungsmotor abhängen.

Reform des Kurzarbeitergeldes gefordert

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sprach sich für eine Reform des Kurzarbeitergeldes aus. In der Automobilindustrie gebe es künftig wahrscheinlich weniger, dafür aber höher qualifizierte Arbeitsplätze, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Deshalb müssten das Kurzarbeitergeld reformiert, gemeinsam mit den Unternehmen Weiterbildung und Qualifizierung organisiert und "Übergangsphasen aus öffentlichen Mitteln" finanziert werden. Weil forderte eine Einigung am besten schon in den nächsten Wochen.

Das Kurzarbeitergeld der Bundesagentur für Arbeit soll Unternehmen in wirtschaftlich schlechteren Zeiten bei den Personalkosten entlasten und zugleich dabei helfen, dass trotz sinkender Aufträge keine Stellen gestrichen werden und Mitarbeiter im Betrieb bleiben können. Die Unternehmen profitieren davon, auch bei einer Auftragsflaute eingearbeitete Mitarbeiter halten zu können.

Studie warnt vor Jobverlust

Ein Studie hatte zuletzt gewarnt, dass durch den Umstieg auf Elektromobilität bis 2030 bis zu 410.000 Jobs in Deutschland verloren gehen könnten. Die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut forderte "massive" Strukturhilfen für die Branche. "Der Bund gibt 40 Milliarden für den Kohleausstieg, von derart mutigen Investitionen in die Sicherung unserer zentralen Zukunftstechnologien ist dagegen wenig zu hören", erklärte sie.

Die Branche benötige ähnliche hohe Investitionen, um Wohlstand und Arbeitsplätze in einer der letzten global führenden deutschen Schlüsselindustrien langfristig zu sichern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Januar 2020 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Januar 2020, 18:02 Uhr

8 Kommentare

HansA vor 6 Wochen

@jochen1..Sie meinen den Industriezweig der durch Betrug an seinen Kunden und starken Lobbyismus "vermutlich" Jahrzehnte lang Politik beeinflusst haben könnte? Hat man sich vielleicht ein Stück weit durch Ignoranz und Größenwahn auch selber in diese Lage gebracht?
Trotzdem kein Grund schwarz zu sehen. Denken Sie mal zurück, wie viele Industrie-Arbeitsplätze in den 80ern und 90ern durch Globalisierung und Arbeitsplatzverlagerung ins Ausland verschwanden und die Arbeitslosigkeit um ein Vielfaches höher war als heute.
Im Gegenzug sind hunderttausende neue Arbeitsplätze entstanden in Branchen, die es damals überhaupt noch nicht gab. Denken Sie z.B.: an Internet und Mobilfunk. Es geht immer weiter, jedenfalls war das die letzten 75 Jahre so. :-)

CrizzleMyNizzle vor 6 Wochen

"Diese Industrie erhält schon zig Milliarden Subventionen"
ich habe das schon öfter lesen können in Foren, aber einen Beweis hat so richtig keiner erbringen können. Würde mich freuen wenn Sie das können.
"Warum um alles in der Welt bei Fachkräftemangel noch Kurzarbeitergeld ausweiten. Umschulen, fertig."
als was arbeiten Sie? Wie würden Sie das finden?
Mal davon ab ist Kurzarbeitergeld für kurz (ja die wollen eine Verlängerung), das wird nicht nur gemacht damit die Leute in Lohn bleiben, nein es ermöglicht den Unternehmen auch, wenn es wieder besser läuft, gleich vollgas zu geben. Hat 2008 1a funktioniert und andere Länder haben fast neidisch rübergeschielt.

Ziehen Sie diese MA ab und das Unternehmen braucht diese kann es nicht mehr leisten was es müsste. Sie können sich im Übrigen sicher sein dass die Unternehmen sich von MAs trennen die sie nicht mehr brauchen, da gibts keine Samariter - sind alles AGs.

jochen1 vor 6 Wochen

Bekannte Politiker und Prteien zerstören unsere Autoindustrie aber wollen gleichzeitig Steuergeld und Hilfsgelder für ihr Zerstörungswerk.
Verrückter geht es nicht.