Gebärmutterhalskrebs Neuregelungen bei Krebsvorsorge: Frauenärzte warnen vor Chaos

Für die Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge beim Frauenarzt gelten seit Januar neue Regeln. Der Bundesverband der Gynäkologen warnt vor einem Desaster: Die meisten Ärzte müssten ihre Patientinnen für den Test weiterschicken – wüssten aber nicht, wohin. Und das, obwohl sie ihn selbst durchführen könnten.

Gynäkologin untersucht eine vor ihr liegende Patientin auf einem Untersuchungsstuhl
Frauen sollten regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Bildrechte: dpa

Die Neuregelungen zur Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge stellen die Frauenärzte in Deutschland vor große Herausforderungen. Der Bundesverband warnt vor einem Chaos.

Änderungen beim Pap-Test

Abstrichmedium zum Nachweis von HP-Viren, den Verursachern von Gebärmutterhalskrebs
Bei einem auffälligen Zellabstrich (Pap-Test) wird eine Kolposkopie fällig. Bildrechte: imago/imagebroker/schreiter

Hintergrund sind die Änderungen beim sogenannten Pap-Test. Dabei wird ein Gewebeabstrich auf mögliche Zellveränderungen untersucht.

Bei Frauen über 35 wird der Test nicht mehr wie bisher jährlich, sondern nur noch alle drei Jahre durchgeführt; dann aber kombiniert mit einem HPV-Test. Denn Humane Papillomviren gelten als Auslöser für viele Krebsarten, auch Gebärmutterhalskrebs.

Der Pap-Test Bei einem Pap-Test wird ein Zellabstrich vom Gebärmutterhals gemacht und unter dem Mikroskop untersucht. Der Test wurde nach seinem Erfinder, dem griechischen Arzt George Papanicolaou, benannt und 1928 vorgestellt.

Kolposkopie nur noch mit KV-Genehmigung

Bei einem auffälligen Befund aus dem Pap-Test ist seit diesem Jahr eine mikroskopische Untersuchung verpflichtend, die sogenannte Kolposkopie. Diese darf jedoch nur von Ärzten durchgeführt werden, die dafür eine Genehmigung von der Kassenärztlichen Vereinigung haben.

Ärzte können untersuchen, dürfen aber nicht

Die Vorsitzende des sächsischen Berufsverbandes der Frauenärzte, Dr. Cornelia Hösemann, kritisierte bei MDR AKTUELL, die Auflagen für eine solche Genehmigung seien für eine normale Arztpraxis nicht zu schaffen.

Daher seien zwar viele Frauenärzte qualifiziert, eine Kolposkopie durchzuführen und besäßen auch die nötige Ausstattung. Trotzdem müssten sie ihre Patientinnen nun in genehmigte Dysplasiezentren schicken.

Gerade für Ostdeutschland ist das Höselmann zufolge kontraproduktiv, denn anders als im Westen sei es unter Gynäkologen hier gang und gäbe, eine Kolposkopie durchzuführen.

Kein einziges Dysplasiezentrum in Sachsen

Weiter sagte Höselmann, sie habe bei der Kassenärztlichen Vereinigung nachgefragt, wie viele Dysplasiezentren in Sachsen genehmigt seien – die Antwort habe "keine" gelautet. Die Frage, wohin positiv getestete Frauen geschickt werden sollten, sei nicht wirklich geregelt. "Da kommt eine ganze Menge Chaos auf uns zu", prognostizierte die Ärztin.

Viele Fragen ungeklärt

Schon jetzt gebe es erste Probleme: Die Labore könnten den Praxen kein Material mehr liefern, um die HPV-Abstriche durchzuführen, Laborbefunde zögen sich über Wochen hin, sagte Höselmann. Auch Abrechnungsmodalitäten seien noch ungeklärt, Fragen zum Datenschutz nicht beantwortet.

Software für Dokumentation fehlt

Außerdem kritisieren die Ärzte, dass es für die Tests bislang keine Dokumentation gibt, weil die nötige Software fehle.

Der Präsident des Bundesverbands der Frauenärzte, Christian Albring, sieht das Ziel des neuen Verfahrens gefährdet: "Die Dokumentation wäre von Anfang an notwendig, da ja nur alle drei Jahre getestet wird. Außerdem ist das Ziel dieser Neuregelung eigentlich, eine wissenschaftliche Basis durch Zahlen zu erhalten, mit der wir am Ende der sechs Jahre gucken können, ob das System dafür geeignet ist, Frauen tatsächlich vor der Erkrankung zu schützen."

Bitte um Verschiebung des Gesetzes verhallt

Der Bundesverband der Frauenärzte hatte Ende letzten Jahres in einem offenen Brief darum gebeten, den Start des neuen Gesetzes zu verschieben. Eine Nachfrage von MDR AKTUELL im Gesundheitsministerium, warum man der Bitte um Aufschub nicht nachkam, blieb unbeantwortet.

Ärztin rät dringend zur Vorsorge

Gynäkologin Dr. Höselmann rät Frauen jeden Alters, dringend zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen. Denn 90 Prozent der Krebsfälle würden bei Frauen entdeckt, die nicht zur Früherkennung gegangen seien.

Ein positiver Befund sei zudem kein Grund zur Panik: "Zwei Drittel aller Befunde, auch wenn sie positiv sind und auch im Zellbereich verändert, repariert der Körper selber wieder."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Februar 2020 | 09:48 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2020, 14:08 Uhr