Eine Säule, in die Asche von Auschwitzopfern eingegossen worden sein soll, steht vor dem Reichstag. 
In der Säule soll die Asche von Auschwitzopfern eingegossen worden sein Bildrechte: dpa

Gedenk- und Widerstandsstätte Zentrum für Politische Schönheit holt die Asche von Nazi-Opfern nach Berlin

Das Zentrum für Politische Schönheit hat im Berliner Regierungsviertel eine Gedenkstätte aufgebaut. In einer Säule befindet sich nach Angaben der Kunst-Aktivisten die Asche von Holocaust-Opfern. Sie soll mahnen, sich nie wieder mit Faschisten einzulassen.

Eine Säule, in die Asche von Auschwitzopfern eingegossen worden sein soll, steht vor dem Reichstag. 
In der Säule soll die Asche von Auschwitzopfern eingegossen worden sein Bildrechte: dpa

Das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) hat im Regierungsviertel eine Gedenkstätte aufgebaut. In einer Edelstahl-Säule soll sich die Asche von Ermordeten des Nationalsozialismus befinden.

Menschliche Überreste ohne Grab

74 Jahre nach den Massenmorden lägen deren Überreste nämlich immer noch herum – ohne Grab oder letzte Ruhestätte, teilte das ZPS mit. Zwei Jahre lang hat das Künstlerkollektiv danach gesucht. Unter anderem haben sie einen Damm bei Auschwitz geöffnet, der von Häftlingen aus Asche aufgeschüttet worden ist.

Aber nicht nur in Harmense bei Auschwitz: Die Nazis wussten nicht, wohin mit den Überresten der unschuldigen Opfer. An 23 Orten in Deutschland, Polen und der Ukraine, an denen Asche von Opfern verstreut worden sein soll, hat das ZPS Bodenproben genommen und untersucht. Laboruntersuchungen hätten in über 70 Prozent Hinweise auf menschliche Überreste ergeben, teilten die Künstler mit: "Wir fanden Knochenkohle, sedimentierte Asche und menschliche Fragmente in den Flussläufen der Weichsel, Zähne direkt auf Feldern, Knochenreste in allen erdenklichen Körnungsgrößen."

Mahnung, sich nicht mit Faschisten einzulassen

Eine Säule, in die Asche von Auschwitzopfern eingegossen worden sein soll, steht vor dem Reichstag. 
Die Säule vor dem Reichstag Bildrechte: dpa

Nun hat das Künstlerkollektiv die Überreste nach Berlin gebracht und zwischen Reichstag und Bundeskanzleramt aufgebaut – dort, wo früher die Krolloper stand, in der 1933 das "Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich", das sogenannte "Ermächtigungsgesetz", verabschiedet wurde.  Der Ort sei gewählt worden, weil dort der Konservatismus die deutsche Demokratie in die Hände der Mörder legte, erklärte das ZPS. "Wir dürfen nie vergessen: Freiwillig wurde ihnen die Macht ausgehändigt. Bis heute erinnert nichts an diesen Verrat."

Die 2,5 Meter hohe und 4 Tonnen schwere Säule sei eine "Gedenkstätte gegen den Verrat an der Demokratie", um den deutschen Konservatismus an seine historische Schuld zu erinnern, sich mit den Faschisten eingelassen zu haben. Heute streckten wieder Konservative die Hand nach den Faschisten aus, sagte das ZPS in Hinblick auf die AfD. "Es nicht mit ihnen zu versuchen, nicht mit ihnen zu paktieren – das ist das Gebot der Stunde", heißt es in der Mitteilung.

"Nie wieder Auschwitz" neu schwören

Die Gedenk- und Widerstandsstätte ist nur bis zum Samstag (7. Dezember) genehmigt. Das ZPS ruft aber dazu auf, für ein Betonfundament zu spenden, das sie am Samstag vor Ort gießen wollen. Zeitgleich sei "ganz Deutschland" zu einem "zivilgesellschaftlichen Zapfenstreich gegen die AfD" eingeladen. In der Einladung heißt es: "Wir werden 'Nie wieder Auschwitz' neu schwören."

Das Zentrum für politische Schönheit Das Zentrum für Politische Schönheit fällt seit mehreren Jahren mit umstrittenen Aktionen auf. 2017 errichtete es das Holocaust-Mahnmal direkt vor dem Haus von Björn Höcke. Im selben Jahr rief es in Istanbul zum Sturz des Erdogan-Regimes auf und druckte Flugblätter im Geiste der Geschwister Scholl. Im vergangenen Dezember sorgte es mit der Aktion "SoKo Chemnitz" für Aufsehen. Hierbei erstellten die Aktionskünstler eine Internetseite, auf der man angeblich Teilnehmer der zum Teil rechten Demonstrationen von Chemnitz denunzieren konnte. Die Aktion entpuppte sich später als Falle.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kulturnachrichten | 02. Dezember 2019 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Dezember 2019, 13:58 Uhr

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