Premiere: "Diva - Eine Stadt tanzt" Bürgerstiftung Halle holt über 100 Menschen zum Tanzen auf die Bühne

Tanzen macht glücklich – darin sind sich sogar Wissenschaftler einig. Und dass jeder tanzen kann, unabhängig von Herkunft und Alter, das zeigt eine Tanzperformance in der Oper Halle. Das Stück heißt "Diva – Eine Stadt tanzt". Dabei treten keine professionell ausgebildeten Tänzer auf, sondern Menschen aus Halle.

von Nora Große Harmann, MDR KULTUR-Autorin

Tänzer des Stücks 'Eine Stadt tanzt' üben für ihren Auftritt 4 min
Bildrechte: MDR/ Nora Große Harmann

Etwa hundert Frauen und Männer in bunter Kleidung stehen dicht gedrängt auf der Bühne im Großen Saal der Oper Halle. "Ich habe das Gefühl, die ein oder anderen haben den Aufbau vergessen", ruft Be van Vark. Die Choreografin gibt letzte Anweisungen: "Stellt euch noch mal alle auf die Anfangsposition!" Die Atmosphäre ist konzentriert, es sind nur noch wenige Tage bis zur Premiere.

Tänzer des Stücks 'Eine Stadt tanzt' üben für ihren Auftritt
"Eine Stadt tanzt" - Aufwärmen vor der Probe. Bildrechte: MDR/ Nora Große Harmann

Langsam heben die Tänzer ihre Arme, neigen sich mal zur einen, dann zur anderen Seite. Gemeinsam stehen sie hinter einer halb-durchsichtigen Leinwand. Wer im Zuschauerraum sitzt, sieht, dass Videos aus der Stadt Halle darauf projiziert werden. Es sind schlichte Aufnahmen von Plätzen, Gebäuden oder einfach nur Bahnschienen. Ab und zu sieht man, wie die Teilnehmer selbst an diesen Orten tanzen: Sowohl im Video, als auch hinter der Leinwand.

Tanz auf der Bühne und auf der Leinwand

Be van Vark hat die Choreographie gemeinsam mit ihrem Sohn Mevlana erarbeitet. "Wenn man hinter der Leinwand Licht anmacht, dann können die Tänzer in diesem Bild tanzen", erklärt er. Das könne dazu führen, dass der Tänzer auf der Bühne mit sich selbst auf der Leinwand ein Duett tanze, so Mevlana, "aber auch mit der Stadt, mit der Straße, mit dem Marktplatz - also an allen Orten, an denen wir gefilmt haben."

Mevlana und Be van Vark kommen vom Berliner Verein Tänzer ohne Grenzen. Gemeinsam mit der Bürgerstiftung Halle haben sie das Projekt "Diva - Eine Stadt tanzt" ins Leben gerufen - eine Hommage an ihre "Diva", die Stadt Halle. Es ist bereits die zweite Ausgabe: Im vergangenen Jahr betanzten rund 100 Hallenser und Hallenserinnen das Bauhausjubiläum.

Tänzer stehen hinter einer Leinwand, auf die ein Bild der Stadt Halle projiziert ist
Die Tänzer stehen hinter einer Leinwand, auf die ein Bild der Stadt Halle projiziert ist Bildrechte: MDR/ Nora Große Harmann

Ein Projekt für alle Generationen

Herausforderung und auch Reiz des Projekts sei, die unterschiedlichsten Menschen zusammenzubringen, sagt Be. "Ein großes Anliegen von uns ist, dass die Leute nicht nur aus den verschiedensten Vierteln Halles kommen und unterschiedlich alt sind, sondern dass sie auch ganz verschiedene soziale Backgrounds haben." Menschen, die sich nie begegnen würden, würden beim Projekt etwas miteinander erschaffen. "Und in dem Moment geht diese Fremdheit, die uns in der Gesellschaft so viel verbaut, verloren. Und es entsteht etwas komplett Neues."

Und so springen an diesem Probennachmittag nicht nur Teenager über die Bühne, es drehen sich auch weit über 70-jährige Senioren sanft im Rhythmus der Musik. "Vor ein paar Tagen hatten wir eine Szene, in der ein Jugendlicher mit einer Seniorin zusammen getanzt hat - 60 Jahre Altersunterschied", erzählt Mevlana. "Die waren wirklich miteinander verbunden und haben sich miteinander auseinandergesetzt." Das sei in unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr selbstverständlich, so der Choreograf.

Erst YouTube, dann die Bühne

Ein halbes Jahr haben die Tänzer geprobt, teilweise mehrere Stunden in der Woche. Nicht alle bringen viel Vorerfahrung mit. Jakob, 38 Jahre alt, ist gerade erst nach Halle gezogen. Das letzte Mal getanzt habe er im Studium, erzählt er - und seitdem habe sich das "Tanzen" darauf beschränkt, auf YouTube Tanzvideos zu schauen. "Ich habe mir gedacht: Das ist eine tolle Chance, das Tanzen wieder aufzunehmen", sagt Jakob.

Tänzer tanzen hinter einer Leinwand, auf die Gleise projiziert sind
Proben in der Oper Halle: Tanzen kann jeder - unabhängig vom Alter. Bildrechte: MDR/ Nora Große Harmann

Gabriele ist 74 Jahre alt und macht zum zweiten Mal mit. Schon als junge Frau hat sie viel getanzt, erzählt sie mit leuchtenden Augen. Auf die Bauhaus-Choreografie im vergangenen Jahr wurde sie durch eine Zeitungsannonce aufmerksam. Dieses Projekt gefiel ihr so gut, dass schnell klar war: Auch dieses Jahr ist sie wieder mit dabei. "Es ist die Bewegung, die Gemeinsamkeit", schwärmt sie. "Dass man ganz viele Leute kennengelernt, ob jung oder alt. Wir helfen uns auch gegenseitig, wenn es sein muss und versorgen uns gegenseitig. Es macht einfach Spaß."

Trotz Konzentration - der Spaß an der Bewegung ist allen hier auf der Bühne anzusehen. Und bei der Vorfreude auf die Premiere lässt sich auch das Lampenfieber ganz gut aushalten.

Infos zu den Aufführungen Die Premiere von "Diva - eine Stadt tanzt" findet am Samstag, 15. Februar, um 17 Uhr im Großen Saal der Oper Halle statt.

Weitere Aufführungen:
Samstag, 15. Februar, 20 Uhr
Sonntag, 16. Februar, 11 Uhr
Sonntag, 16. Februar, 15 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. Februar 2020 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2020, 04:00 Uhr

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